German Doctors
German Doctors

Chandraghona

Projektbeginn | 2019

   

Einsätze | 9

Chandraghona

Das Chandraghona-Projekt im Überblick

Daten und Fakten

Projektbeginn: 2019

Anzahl Ärzte zurzeit: Zwei deutsche Ärztinnen/Ärzte.

Einsätze: Geplant sind ca. 25 Einsätze pro Jahr.

Partner: Projektpartner ist das Christian Hospital Chandraghona (CHC).

Struktur: Die German Doctors unterstützen das Krankenhaus in Chandraghona, indem sie Ärztinnen und Ärzte der Fachrichtungen Chirurgie, Anästhesie und Gynäkologie dorthin entsenden – zunächst für die Dauer von rund 24 Monaten stets zwei bis drei. Unsere Ärzte behandeln zum einen Patienten und zum anderen bilden sie sechs einheimische Mediziner in den oben genannten Fachbereichen aus.

Einsatzgebiet(e): Der Ort Chandraghona in den sogenannten Chittagong Hill Tracts am Karnaphuli River. Für rund 60.000 Angehörige der Bevölkerungsgruppe der Jumma ist das CHC die wichtigste Anlaufstelle zur medizinischen Versorgung. Die schwer zugängliche, zerklüftete und von einem dichten Urwald überzogene Region ist sehr arm, politisch labil und medizinisch unterversorgt.

Schwerpunkte: Medizinische Versorgung der indigenen Bewohner der Region Hill Tracts und Ausbildung einheimischer Ärzte in den Fachbereichen Chirurgie, Anästhesie und Gynäkologie.

Das Chandraghona-Projekt im Überblick

Medizinische Versorgung für die Ärmsten

Unsere Wirkungsstätte in Chandraghona, das Christian Hospital Chandraghona, wurde im Jahr 1907 von britischen Baptisten gegründet. Es begann als kleines Gesundheitszentrum und wuchs über die Jahre zur wichtigsten medizinischen Einrichtung der gesamten Region Hill Tracts. Heute bietet das 100-Bettenhaus allgemeinmedizinische, chirurgische, pädiatrische und geburtshilfliche Versorgung an sowie eine umfängliche Schwangerenbetreuung. Den armen Bewohnern der Hill Tracts bietet das Hospital seine Dienste kostenfrei an bzw. gegen ein sehr geringes Entgelt. Ergänzend zu seinem klinischen Angebot betreibt das Hospital seit rund 80 Jahren eine Krankenpflegeschule und seit dem Jahr 1971 auch ein sogenanntes „Community Health Program“ (CHP). Dieses ist vergleichbar mit unserem „Primary Health Care Program“ (PHC) auf den Philippinen und zielt auf ab eine gemeindegetragene Gesundheitsversorgung. Im Rahmen des CHP-Programms ausgebildete einheimische Gesundheitsarbeiter bieten in mehr als 200 verstreuten, abgelegenen Dörfern eine kostenfreie Basisgesundheitsversorgung an. Sie besuchen regelmäßig die Dorfbewohner, klären sie auf zu Themen der Gesundheitsvorsorge, zum nationalen Impfprogramm, zu vor- und nachgeburtlicher Versorgung, gesunder Ernährung, Familienplanung, zur Behandlung von Durchfällen, Atemwegsinfektionen, Malaria und anderen häufigen Krankheiten.

Vergleichbar unserer „Rolling Clinic“ auf den philippinischen Inseln Mindoro und Luzon besucht zudem ein mobiles Gesundheitsteam regelmäßig die abgeschiedenen Dörfer der Jumma und bietet diagnostische Dienstleistungen für Schwangere an, Malaria-Tests und andere Untersuchungen. Die lokalen Gesundheitsarbeiter ermutigen die Jumma, die mobilen Sprechstunden zu besuchen bzw. überweisen Notfälle auch direkt ins Krankenhaus. Eine weitere wichtige Einheit des Krankenhauses ist die Lepra-Einheit. Einer der wenigen Orte in Bangladesch, an denen noch Lepra Patienten behandelt werden. Lepra gilt zwar als fast ausgestorben, ist unter der armen Bevölkerung der Hill Tracts aber leider doch noch verbreitet.

Das Chandraghona-Projekt im Überblick

Ärzte im Einsatz für Menschen in Not

Unsere Hilfe gilt sowohl den einheimischen Medizinern als auch den Patienten des Christian Hospital Chandraghona. Indem wir sechs lokale Ärzte in den Fachbereichen Anästhesie, Chirurgie und Gynäkologie intensiv schulen, befähigen wir sie, binnen rund zwei Jahren ihre Patienten fachgerecht selbst zu versorgen. Die Erweiterung ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten soll zu einem erhöhten Aufkommen auch zahlender Patienten aus der Mittelschicht führen. Das wiederum wird sich positiv im Einkommen des Krankenhauses niederschlagen. Die arme Gemeinschaft der indigenen Stämme soll davon profitieren, da das Hospital bei guter Einkommenslage mehr kostenfreie Behandlungen wird anbieten können.

Bangladesch hat eine nationale Gesundheitsstrategie. Diese sieht unter anderem vor, dass die gesamte Bevölkerung des Landes Zugang zu qualitativ hochwertiger und gerechter Gesundheitsversorgung hat. Sie beschreibt aber auch, dass vor allem die rund 2,5 Millionen Mitglieder ethnischer Minderheiten – etwa 42 Prozent von ihnen leben in den Chittagong Hill Tracts – noch immer von einer medizinischen Grundversorgung ausgeschlossen sind. Das Papier beschreibt die schwierige Zugänglichkeit der Region und die Notwendigkeit der Unterstützung durch Hilfsorganisationen und private Institutionen: „Besonders in der Regenzeit ist der Zugang zu den entlegenen Bereichen für das Regierungspersonal schwierig, und der Zugang zu staatlichen Einrichtungen ist für die Einwohner mit großen Mühen verbunden.“ Alternative Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs ethnischer Minderheiten zum Gesundheitswesen, einschließlich der Beteiligung von Nichtregierungsorganisationen sind grundsätzlich erwünscht. Unsere Partnerschaft mit dem Krankenhaus in Chandraghona trägt also zu den nationalen Zielen des Landes bei und darf sich der Unterstützung durch den bangladeschischen Staat gewiss sein. Dieser Punkt ist maßgeblich für den Erfolg eines Projektes in dem bevölkerungsreichen Land!

Bezuschusst wird unsere Arbeit in Chandraghona zum Teil von der deutschen Bundesregierung.

Das Chandraghona-Projekt im Überblick

Ursprüngliches Leben in den Hill Tracts

Chandraghona liegt rund 45 Kilometer nordöstlich von Chittagong am Karnaphuli River. Die Region ist, im Gegensatz zum Rest Bangladeschs, bergig, zerklüftet und von einem dichten Urwald überzogen. Sie wird von elf Bevölkerungsgruppen besiedelt, die sich selbst als Jumma bezeichnen. Mit zusammen rund 350.000 Mitgliedern sind die buddhistischen Chakma und Marma die beiden größten Stämme. Die weiteren Bewohner der Hill Tracts sind Christen, Hindus oder praktizieren traditionelle Religionen. Zur bestmöglichen Nutzung des Landes betreiben die Jumma Wanderwirtschaft. Die ortsübliche Bezeichnung für diese Art der bodenschonenden Landwirtschaft ist Jhum – daher der Name Jumma für die Stämme der Hill Tracts. Eine Besonderheit: Der Stamm der Mru. Er lebt in Stelzenhäusern auf den Berghöhen, in völliger Abgeschiedenheit von den anderen Stämmen.

Vom bangladeschischen Staat werden die Jumma weitgehend missachtet. In ihrem Lebensraum siedelt die Regierung seit Jahrzehnten arme bengalische Familien an. Indem er diesen das beste Land zuteilt, entzieht er den Jumma ihre Lebensgrundlage. Zusätzlich zur Verdrängung durch die Siedler waren die elf Stämme lange Zeit Gewaltausübungen durch das Militär ausgesetzt. Seit der Unabhängigkeit Bangladeschs im Jahr 1971 wurden Zehntausende Jumma gefoltert, vergewaltigt und ermordet. Viele ihrer Siedlungen wurden niedergebrannt. Damit wurden die elf Stämme binnen weniger Jahrzehnte zu einer Minderheit. 1997 unterzeichneten Stammesvertreter und die Regierung des Landes einen Friedensvertrag, der den schlimmsten Gräueltaten ein Ende setzte.

Doch auch heute noch erfahren die Jumma Gewalt und werden ihres Landes beraubt. Die medizinische Versorgung in der abgelegenen und konfliktreichen Region ist mangelhaft. Entsprechend wichtig ist das Christian Hospital Chandraghona für die Bewohner der Hill Tracts. Übrigens stammen die meisten Angestellten des Krankenhauses – auch die Ärzte – selbst aus den Hill Tracts.

German Doctors in Chandraghona

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