Weibliche Genitalverstümmelung in Sierra Leone

Ein Bericht von Swiss Doctors-Präsidentin Dr. Gudrun Jäger aus Makeni

Bunte Farben prägen den sonst so tristen Alltag

Schon im letzten Jahr konnte ich anlässlich eines Besuches bei der Partnerorganisation Commit and Act in Makeni Einblicke in die engagierte Arbeit der Organisation gewinnen. Erneut konnte ich dieses Jahr Hannah Bockarie, die  Leiterin von Commit and Act und das Projekt besuchen. Nach einem kurzen Besuch im Safe home für Opfer sexueller Gewalt, welches ich von meinem letzten Besuch schon kannte, fuhren wir auf holprigen Strassen in das ca. 1.5 Stunden von Makeni entferntes Dorf im Dansogoya District.

Herzliche Begrüßung im Dorf

Gemeinsam stehen wir für ein selbstbestimmtes Leben

In dieser Gemeinde ist Commit and Act aktiv an der Bekämpfung der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM: female genitale Mutilation) beteiligt. Die Begrüssung in dem Dorf war herzlich; zunächst ein Empfang mit Tanz und Musik von den Dorfbewohnern, gefolgt von einer Parade der Mädchen, ihrer Mütter und den ehemaligen Beschneiderinnen. Durch verschiedene Ansprachen wurde die Arbeit und der Einfluss von Commit and Act erklärt. Im Hinblick auf eine Bewusstseinsänderung und nachhaltige Abkehr von der grausamen Praktik der Genitalverstümmelung sind vielfältige Massnahmen notwendig.  Dies auch, da die Genitalverstümmelung tief verwurzelt ist in der Tradition in Sierra Leone, ca. 80-90 % der Mädchen werden beschnitten.

Dr. Gudrun Jäger mit den Frauen aus Makeni

Wichtige Bestandteile der Arbeit sind die Durchführung von Bewusstseins-Kampagnen in Schulen und den Dörfern, die Unterstützung von Familien, die Ihre Töchter nicht beschneiden lassen, regelmässige Begleitung und Stärkung der Mädchen und ihrer Familien und auch die Unterstützung der Beschneiderinnen, um diesen einen anderen Lebensunterhalt zu ermöglichen. Diese „Soweis“ haben den Beruf oft von ihren Müttern  übernommen und sind hoch respektiert in dem Dorf, daher benötigt es eine Kooperation mit diesen Frauen und Überzeugungsarbeit über die schädlichen Auswirkungen der Beschneidung. Somit betrifft die Aufklärungsarbeit das ganze Dorf, um eine Änderung der Tradition zu bewirken und die Zeremonien mit anderen Werten oder Inhalten zu besetzen. Durch diesen vielfältigen Ansatz, die finanzielle Unterstützung und das Engagement der lokalen Mitarbeiter gibt es inzwischen eine hohe Anzahl von Familien, die in das Programm möchten und sich bereit erklären, ihre Töchter nicht beschneiden zu lassen. Diese Mädchen sind dann in den Schulen auch eine Art Botschafter, die sich einsetzen und andere überzeugen, nicht beschnitten zu werden. Darüber hinaus gibt es das Engagement und den Einsatz auf der politischen Ebene; schon durch das Safe home und den Einsatz für Opfer sexueller Gewalt gibt es eine enge Zusammenarbeit mit den Ministerien; darüber hinaus erfolgt Bewusstseinsbildung und Lobbying auch auf der politischen Ebene. Auch wenn die FGM in der Öffentlichkeit meist verurteilt wird, so ist sie Bestandteil der Tradition und nicht strafbar in Sierra Leone.

Nur durch die engagierte Arbeit von lokalen Organisationen wie Commit and Act, sowie der Unterstützung durch die German Doctors und den Swiss Doctors und dem vielfältigen Ansatz mit Überzeugungsarbeit und Unterstützung der Bevölkerung kann zukünftig diese traumatische und gefährliche Verstümmelung zum Verschwinden gebracht werden.