German Doctors
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Trotz Corona in Bangladesch: Unsere Hilfe bleibt!
Trotz Corona in Bangladesch: Unsere Hilfe bleibt!

Trotz Corona in Bangladesch: Unsere Hilfe bleibt

Die Lage ist ernst: Bangladesch braucht Hilfe

Corona-Fallzahlen steigen

In Bangladesch ist die Lage in vielerlei Hinsicht extrem bedrückend: Die Corona-Fallzahlen steigen, Menschen hungern und viele private Gesundheitseinrichtungen und Praxen sind geschlossen. Die Wirtschaft liegt mehr oder weniger brach. Von unseren Partnern wissen wir, dass vergleichsweise wenig getestet wird - die Zahl der Infizierten ist vermutlich um ein vielfaches höher als in der Statistik. Die Re­gierung hat wiederholt eine totale Aus­gangs­sperre ver­hängt, und die Polizei greift hart durch, wenn Menschen sich entgegen der staatlichen Anweisungen in Gruppen auf der Straße aufhalten. Mittlerweile ist der Lockdown Dhaka und Chittagong gelockert, doch viele der Textilarbeiter leiden unter mangelnden Aufträgen und damit einhergehenden Lohnausfällen und Kündigungen.

Medizinische Hilfe wieder aufgenommen

Unsere medizinische Arbeit im Gesundheitszentrum von Chittagong sowie in den vier über das Stadtgebiet verteilten Ambulanzen war 2,5 Monate aufgrund der durch Corona bedingten Restriktionen nicht möglich. Auch in unserem zweiten Bangladesch-Projekt, in Dhaka, mussten wir unsere Sprechstunde über zwei Monate hinweg schließen. Ende Juni konnten wir zumindest halbtags wieder medizinische Behandlungen anbieten, mittlerweile können wir Dank der Unterstützung einheimischer Ärztinnen und Ärzte die Sprechstunden wieder ganztägig anbieten. In Dhaka besuchen aktuell viele schwangere Frauen unsere Sprechstunde, da die Anzahl der Schwangerschaften in den vergangenen Monaten erheblich zugenommen haben. Vollumfänglich wird der Ambulanzbetrieb jedoch erst wieder laufen, sobald wir erneut ehrenamtliche German Doctors nach Bangladesch entsenden können.

Schutz, Aufklärung und Lebensmittel-Hilfe

In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir viele unserer Patientinnen und Patienten mit Lebensmittelpaketen vor akutem Hunger bewahrt. Der Bedarf ist immens hoch: Tausende haben durch die Ausgangssperren ihre Beschäftigung als Tagelöhner oder Arbeiter in den Textilfabriken verloren. Daher unterstützen wir in Chittagong und Dhaka insgesamt 1980 Familien finanziell. Auch Aufklärungskampagnen in den Slums von Dhaka und Chittagong sowie das Verteilen von Mundschutzmasken sind wichtige Teile unserer Nothilfe. Tragisch ist: Das Interesse an den erforderlichen Hygienemaßnahmen seitens unserer Zielgruppe ist sehr groß, die Möglichkeiten, die Empfehlungen unter den gegebenen Lebensumständen umzusetzen, hingegen nur sehr begrenzt.

Doppelte Not: Corona und Zyklon Amphan

Zyklon Amphan in Bangladesch

Große Zerstörungen

Als ob eine Katastrophe nicht schon genug wäre, traf Super-Zyklon Amphan am 20. Mai auf Land und verwüstete die Küstenregionen Indiens und Bangladeschs schwer. Dämme brachen, Ernten wurden zerstört, Häuser­dächer ab­gedeckt, Dörfer und Stadt­teile standen unter Wasser. Unsere Patientinnen und Patienten wurden schon hart durch die Einschränkungen des Lockdowns zur Bekämpfung von Covid-19 getroffen. Durch den Zyklon standen viele von ihnen buchstäblich vor dem Nichts.  

Unsere Hilfe im Überblick

Verteilung Lebensmittel
  • Verteilung von Hygieneprodukten wie Desinfektionsmittel, Seife und Schutzmasken zum Schutz vor dem Corona-Virus
  • Aufklärung über Covid-19, Hygienevorschriften, Social Distancing etc.
  • Unterstützung mit Lebensmitteln: in Dhaka und Chittagong greifen wir insgesamt ca. 1980 Menschen unter die Arme, damit sie sich Lebensmittel kaufen können.

Projektmanager Brayan Anthony über die Situation vor Ort

Auf den Philippinen ist der Weg zum nächsten Arzt weit

Aufgrund der deutlich schlechteren medizinischen Infra­struktur ist Corona in Entwicklungs­ländern meist ein noch größeres Problem als beispiels­weise in Europa. Unser Projektkoordinator Brayan Anthony ist vor Ort in Chittagong und beantwortet einige Fragen rund um die Corona-Pandemie und wie diese sich auf unsere Projekte in Bangladesch auswirken wird:

Wie ist die aktuelle Situation in Chittagong im Hinblick auf die Corona-Pandemie?

Ich leide darunter, dass wir für unsere Patientinnen und Patienten medizinisch aktuell nur eingeschränkt da sein können; wie viele andere Institutionen mussten wir unsere medizinische Arbeit vorübergehend einstellen. Am schlimmsten ist aber, dass die staatlichen Einrichtungen nicht adäquat ausgerüstet sind und das medizinische Personal zutiefst verunsichert ist. Rund zwei Drittel der im Gesundheitswesen Beschäftigten erscheinen aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus nicht zum Dienst. Covid-19 Erkrankte, die stationär aufgenommen wurden, fliehen mangels Versorgung aus den Isolationszentren und Krankenhäusern, verbreiten das Virus und sterben schlimmstenfalls auf der Straße. Täglich rennen Hunderte von Menschen für einen Covid-Test von Tür zu Tür, aber nur wenige erhalten die Chance, sich tatsächlich testen zu lassen; es gibt nach wie vor zu wenige Tests.

Können Sie Auswirkungen der mangelnden medizinischen Versorgung erkennen?

Für jede Behandlung in einem Krankenhaus brauchen die Menschen einen negativen Corona-Test, auch für Geburten. Als Folge werden nun viele Kinder auf der Straße oder in Krankenwagen entbunden. Gebärende sterben vor den Toren der Krankenhäuser, weil sie trotz Komplikationen nicht hereingelassen werden. Ärzte, die an vorderster Front kämpfen, sterben. Erfahrene Ärzte im Ruhestand sind untergetaucht, aus Angst zwangsrekrutiert zu werden und Privatpraxen geschlossen. Chronisch Kranke, Menschen mit Krebs, Epilepsie, Herzproblemen und anderen Erkrankungen leiden endlos. Die Selbstmordrate ist gestiegen. Auch kriminelle Handlungen wie Tötungen, Entführungen und Vergewaltigungen nehmen zu.

Gibt es eine Situation, die Sie besonders berührt hat?

Unzählige Familien hungern, man sieht so viel Leid! Wenigstens können wir einigen mit Lebensmittelrationen helfen. Dafür danke ich den Spendern in Deutschland sehr! Ohne ihre Unterstützung würde ich verzweifeln.

Corona-Nothilfe weltweit

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Sie wollen wissen, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf die anderen German Doctors-Projekte hat und sich dazu auf dem Laufenden halten? Dann besuchen sie unseren Überblick zum Thema Corona in Entwicklungsländern oder informieren Sie sich direkt über die jeweilige Situation in Indien, Bangladesch, Kenia, Sierra Leone oder auf den Philippinen.

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