Der „zona seca“ auf den Zahn gefühlt
Ein Bericht von Frau Dr. Anat Chlebowski über ihren Einsatz in Ocotal
Nicaragua gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und die Gegend um Ocotal gilt als die ärmste in Nicaragua. Einige der Orte, die wir von Ocotal aus anfahren, liegen in der „zona seca“, hier sind die Menschen besonders arm, da nur kurze Zeit im Jahr ausreichende Regenfälle vorhanden sind, um eine Ernte einzubringen. Man könnte denken hier gilt das Motto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, jedoch ist das nicht der Fall.
In der Trockenzeit gibt es für die Menschen hier oft nur Tortilla und Salz, keine Bohnen und keinen Reis mehr. In diesen Gegenden ist das Trinkwasser ein großes Problem, es muss oft über weite Strecken getragen werden und ist von schlechter Qualität, weshalb es hier in der Trockenzeit besonders viele Durchfall-Erkrankungen gibt (in der Regenzeit Pneumonien). In diesen Gegenden ist Hunger das ganze Jahr über an der Tagesordnung, es finden sich viele unterernährte oder fehlernährte Kinder.
Mit unserem Projekt in Ocotal gewährleisten wir für die wirklich sehr arme und vor allem isoliert lebende Bevölkerung im Campo eine medizinische Basisversorgung und bringen die sonst nur schwer zu erhaltenden oder nicht bezahlbaren Medikamente. Der Humanmediziner sieht im Durchschnitt 60 bis 70 Patienten am Tag, der Zahnarzt behandelt 15 bis 30 Patienten.
Der Zahnstatus unserer Patienten ist in aller Regel sehr schlecht. Die meisten Patienten die zu den Cosultas erscheinen haben bereits seit einiger Zeit Zahnschmerzen. Man findet entzündete oder komplett zerstörte Zähne vor. In den täglichen Cosultas in den Gemeinden sind fast nur Zahnextraktionen möglich. Die Patienten erscheinen oft gleich mit mehreren entzündeten Wurzelresten und man fragt sich wie sie es bisher aushalten konnten…
Zu zahn-erhaltenden Maßnahmen können Patienten in den zahnärztlichen Behandlungsraum unserer Unterkunft einbestellt werden. An einem, evtl. auch zwei Tagen pro Woche fährt der Zahnarzt nicht mit aufs Land, sondern behandelt die von ihm selbst einbestellten Patienten hier. Ein großes Problem das zu diesen Zuständen führt ist Unwissen.
Bei jedem Besuch in einer Gemeinde führen wir eine sogenannte „Charla“ durch. Das ist eine kurze Aufklärung über Mundgesundheit, Zucker und eine Demonstration wie Zähne geputzt werden. So versuchen wir den Patienten die Wichtigkeit der Mundgesundheit nahezulegen.
Tolle Arbeit! Weiter so !
Solche Artikel liest man immer gern. Als eines der beste Länder der Welt sehe ich uns in der Pflicht, Leuten zu helfen die an schlechten Umständen zu kämpfen haben. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten und wünsche viel Erfolg für die Zukunft.
Es ist erschreckend zu sehen wie weit die Schere zwischen reich und arm hier aufgeht. Wir leben in Europa in solch einer privilegierten Versorgungswelt und wissen es nicht zu schätzen. Vielen Dank für die tolle Arbeit!