Wenn unsere Patienten wieder lächeln – dann haben wir vielleicht etwas richtig gemacht …

Ein Bericht von Einsatzärztin Claudia Woischwill aus Dhaka

Obwohl ich aus dem sommerlich warmen Deutschland komme und dieser Einsatz auch schon mein dritter ist (nach Manila und Nairobi), verlangten Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit erst einmal eine 24-stündige Verschnaufpause nach meiner Ankunft in Dhaka. Wenige Tage später fand das Eid–Ul-Fitr-Fest statt, das größte und fröhlichste Fest im Jahr bei Beendigung des Ramadan für die dort überwiegend muslimische Bevölkerung. Kurz danach war wegen politischer Streitigkeiten ein 2-tägiger Hartal (d.h. Generalstreik) angesagt. So konnten die Patienten nur in Manda, wo sowohl Arztwohnung als auch Hauptsitz der German Doctors in Dhaka liegen, zeitweise untersucht und behandelt werden. Später ging es mit dem Kleinbus und ca. sieben einheimischen Mitarbeitern zu vier weiteren Einsatzorten in mehreren Slums dieser riesigen Stadt.
Die Dichte des völlig unberechenbaren Verkehrs ist einzigartig! Der Vorteil, dass viele Fahrzeuge wie fahrrad- oder gasbetriebene Rikschas keine Autogase ausstoßen, wird durch all die uralten Lastwagen und völlig überfrachtete Busse mehr als ausgeglichen. Nur vereinzelt erinnern Straßen und Häuser an Standards im europäischen Vergleich. Menschen schieben sich im Zentimeterabstand zwischen allem hindurch. Woher ihre Gelassenheit rührt, ist mir schleierhaft. Vielleicht sind ihre Gedanken ja bei all ihren persönlichen Problemen.

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Am häufigsten behandeln wir Frauen und Kinder.

Kommen sie dann als Patienten zu uns, hören wir anfangs meist umschreibende Beschwerden, die kaum an etwas festzumachen sind. Manchmal wird im Verlauf der Rede eine Verletzung oder eine Wunde gezeigt, ein Hautausschlag, eine Infektion durch Pilze oder Milben. Oft klagen sie auch über asthmatische Beschwerden, Schmerzen in der Magengegend oder bei Bewegung. Und manchmal erhaschen wir einen hilfesuchenden Blick, der uns auf Nachfrage durch einen Übersetzer erklärt wird. Dann kann das Problem ein frauenheilkundliches oder ein soziales sein – oft mit sichtbaren Folgen.
Und immer möchten wir helfen können! Und alle bemühen sich nach Kräften! Wenn wir sie dann Tage später wiedertreffen mit einem leisen Lächeln im Gesicht in der Ambulanz oder in der Aufpäppelstation, wo uns Mutter und Kleinkind nicht mehr schlapp oder in Tränen ansehen sondern fröhlich – dann haben wir vielleicht etwas richtig gemacht.

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Und das lohnt am Ende auch all den Einsatz!
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