Bei meinen Touren mit der rollenden Klinik von Cebu bin ich mit vielen Patienten ins Gespräch gekommen und habe mehr über sie und ihr Leben erfahren. Und letztendlich auch darüber, warum sie die Sprechstunde der Ärzte für die Dritte Welt – German Doctors brauchen und nutzen.

Suzana hat eine fortgeschrittene Form der "Goiter".

Suzana hat eine fortgeschrittene Form der „Goiter“.

Stellvertretend für viele weitere will ich an dieser Stelle die Geschichte von Struma-Patientin Suzana erzählen.

Suzana fällt auf – sie hat eine riesige Schwellung direkt unter ihrem Gesicht – das Ergebnis einer jahrelangen unbehandelten Schilddrüsenfunktionsstörung.

Aber nicht nur wegen ihres Aussehens werde ich auf sie aufmerksam, sondern komme mit ihr eher zufällig ins Gespräch. Als ich mich mit einem alten Mann unterhalte, versucht sie bei der Übersetzung zu helfen. Dabei lacht sie sehr viel und hat eine auffällige positive Ausstrahlung.

Suzana ist 50 Jahre alt, hat zwei Kinder und ist geschieden. „Mein Mann hat sich von mir getrennt und eine neue Frau geheiratet, als mein Hals wegen des Strumas immer dicker wurde“, erzählt sie traurig. „Aber das hat auch Gutes,“ fügt sie hinzu. Ihr Mann kam abends oft alkoholisiert nach Hause, schlug seine Frau und die Kinder. „Alles machte ihn verrückt!“, sagt Suzana. „Ich habe mit ihm geredet, wenn er nüchtern war, aber das hat nichts gebracht.“ Sie wusste sich nicht anders zu helfen als jeden Sonntag in die Kirche zu gehen und zu beten, „dass alles gut wird“.

Suzana hatte vor einigen Jahren ein Geschäft, in dem sie Reis verkaufte. Danach war sie lange Zwischenhändlerin für Kosmetikprodukte. Bei ihren Bestellungen musste sie stets in Vorkasse treten. Als einige Kunden die bestellte Ware nicht mehr abholten und somit auch nicht bezahlten, wurde die Lage für sie brenzlig. Hinzu kam, dass ihr Mann ständig das Geld, das sie mit ihren Geschäften für die Familie verdiente, für Alkohol ausgab. So konnte sie nicht mehr bezahlen und musste auch ihr zweites Geschäft aufgeben. Bis heute hat sie keine Arbeit mehr gefunden. Nach und nach verkauft sie ihr ohnehin schon wenig Hab und Gut, kürzlich ihren kleinen Gaskocher, um etwas zu essen für sich und ihre Kinder zu kaufen.

Wie ist das Leben für sie, frage ich. „Eigentlich sehr schwierig und schlecht. Aber ich versuche immer zu lachen und stark zu sein!“ Das glaube ich ihr aufs Wort. Denn während des gesamten Gespräches verfällt sie nicht in Selbstmitleid. Sondern lacht, versucht an allen Dingen etwas Positives zu sehen.

„Weißt du“, fährt sie fort, „Ich gehe immer in die Kirche und bete zu Gott. Ich vertraue auf ihn. Das gibt mir die Kraft, mit allen Problemen und Herausforderungen klarzukommen.“

Am liebsten würde sie wieder ein kleines Geschäft eröffnen und ihr eigenes Geld verdienen. Doch dazu fehlt ihr das entsprechende Startkapital.

Im Moment versucht sie, eine Operation zu bekommen, um sich ihr Struma operieren zu lassen. Dann will sie weitersehen. „Es liegt in Gottes Hand. Ich tue, was ich kann.“

 

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