Einsatz auf Luzon, Philippinen

Ein Bericht von German Doctor Dr. Levke Trivaks

Im Juni 2026 ist es so weit! Nach monatelangem Vorbereiten, viel Papierkram und zahlreichen Impfungen lande ich viele Flugstunden später endlich in Tuguegarao auf Luzon. Schon beim Drüberfliegen schimmerte die Landschaft in sattem vollem Grün. Am Flughafen wurden die zweite Ärztin, die zur selben Zeit mit mir auf Luzon im Einsatz war und ich herzlich empfangen und schon ging es über kurvige Straßen weiter in Richtung Luna, wo sich das „doctors house“ befindet, das wir später nur noch „sauna house“ genannt haben. Dies war unsere zentrale Unterkunft, in die wir zwischendurch immer wieder zurückgekehrt sind. Oft haben wir jedoch auch in der Nähe der Dörfer geschlafen, in denen wir unsere Sprechstunde gehalten haben, wobei jede von uns zwei Ärzten mit seinem Team, bestehend aus Übersetzerin, Apothekenhelferin und Fahrer eine eigene Route gefahren ist. Erst einmal fühlte sich alles neu und fremd an und der Schweiß rinnt einfach in einer Tour. Nach einer kurzen Einführung und einem Besuch im Office, wo wir einen Überblick über die verfügbaren Medikamente bekamen, ging es dann zwei Tage später endlich richtig los! An den ersten Tag erinnere ich mich haargenau und ich war supernervös was mich erwarten würde.

Oftmals war die Fahrt zu den Einsatzorten schon ein wahres Highlight. Vorbei an Reisfeldern, durch Dörfer, über abgelegenen Straßen ging es im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein. Manchmal hatte ich das Gefühl, auf einer Safari-Tour unterwegs zu sein, wenn sich neben uns die Büffel im Wasser suhlten oder wir wie es einmal der Fall war, einen Fluss mit dem Boot überqueren mussten, um zum Ziel zu gelangen.

Vor Ort wurden ich und mein Team durch die lokalen Gesundheitshelfer empfangen. Die Dörfer auf den Philippinen nennt man barangays und die Gesundheitshelfer, die vor Ort von den German Doctors ausgebildet werden „barangay health worker“. Sie halfen bei der Patientenaufnahme, und dokumentierten die Vitalparameter. Währenddessen hatte ich Zeit, schonmal einen Blick „aus der Ferne“ auf die Patienten zu werfen und mir über den ein oder anderen Patienten Gedanken zu machen. Das betraf vor Allem Hautkrankheiten, bei denen ich oft nochmal mein blueBook oder die bereitgestellten Derma-Bilder aufgeschlagen und verglichen habe.

Häufig wurden wir von neugierigen Kinderaugen empfangen, wovon bei den meisten, die von ihren Eltern bei uns vorgestellt wurden, obere Atemwegsinfektionen diagnostiziert wurden. Einige Kinder vor Ort leiden zudem an Asthma, dass vor Allem dadurch verstärkt wird, dass viele Familien über dem offenen Feuer kochen. Die German-Doctors Apotheke ist darauf ausgerichtet und so konnte ich verschiedene Asthma Medikamente verschreiben, wovon einige jedoch leider nur sehr begrenzt verfügbar waren. Viele Mütter waren sehr besorgt um ihre hustenden Kleinsten und teilweise war auch eine antibiotische Therapie notwendig. Oft konnte ich die Eltern jedoch auch beruhigen und ihnen mit Hausmitteln wie Salzwasser-Nasentropfen oder Kräuter-Inhalationen weiterhelfen. Obwohl ich anfangs etwas zurückhaltend war, da ich in Deutschland in der Inneren Medizin arbeite und ausschließlich mit erwachsenen Patienten zu tun habe, konnte ich mich im Verlauf richtig für die Arbeit mit den Kindern begeistern!

In die Sprechstunde kamen Patienten mit Gelenks- und Rückenbeschwerden in jedem Alter. Kein Wunder bei der harten Feldarbeit, die die Menschen dort bis ins hohe Alter leisten. Neben Schmerzmitteln habe ich jedem Patienten Gymnastik-Übungen gezeigt, die sehr dankend angenommen wurden. Das hat die Sprechstunde richtig aufgelockert und eigentlich immer für ein Lächeln gesorgt. Wobei man sagen muss, dass die Philippiner überhaupt sehr viel Lachen und mir immer sehr fröhlich vorkamen. Außerdem wurden Situationen die eigentlich zur Verzweiflung hätten führen müssen von den Menschen vor Ort mit einer wirklich bewundernswerten Gelassenheit angenommen.

Weiter stellten sich viele „chronics“ vor, wobei es sich um Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus und art. Hypertonie handelt und die von den German Doctors auf ihre Medikamente eingestellt werden. Neben dem Verschreiben von Losartan und Metformin haben wir immer wieder über die Folgen und mögliche Prävention informiert. Ich selbst habe ebenfalls zu jeder Zeit Süßigkeiten bekommen. Dann hieß es „snack, doc“ und schon stand die frittierte gezuckerte Banane und der süße Kaffee parat.

Vor Ort leisten auch die von den German Doctors ausgebildeten „health worker“ einen großen Beitrag und es gibt selbst in den abgelegensten Orten Schulungen über Ernährung, Diabetes und Bluthochdruck. Und zu meiner Erleichterung fahren auch die Hebammen in die Dörfer und sorgen dafür, dass Schwangere und Babys geimpft sind, verteilen Verhütungsmittel und verweisen die Schwangeren zum Ultraschall und zur Geburt in das Krankenhaus, was meistens klappt.

Am Anfang waren neben der ganzen Aufregung darüber, was einen erwarten würde vor Allem die anderen Lebensumstände herausfordernd. Letztendlich bin ich aber sehr froh um diese Erfahrung und ich kann viel besser verstehen, welche Herausforderungen es mit sich bringt, kein fließendes Wasser oder nur begrenzt Strom zu haben. Man kann nicht einfach sagen, „reinigt die Wunde“ oder „wascht eure Augen aus“, wenn es kein sauberes Wasser gibt.

Zurück in Deutschland wird einem dann wieder richtig bewusst, wie hoch der Gesundheitsstandard hier ist und wie komfortabel wir leben. Ich hoffe, dass die Menschen an den anderen Enden der Welt trotz unseres hektischen Alltages nicht von uns vergessen werden.