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Patientenbeitrag

„Den Ärzten vertraue ich“

Nicaragua - Projektland der German Doctors

Leonila Gómez López ist 69 Jahre alt. Für ihr Alter ist die drahtige Nicaraguanerin noch unglaublich rüstig: Sie läuft – wenn es sein muss – von ihrer kleinen Hütte, die noch hinter der Streusiedlung Totogalpa liegt, bis zur Provinzhauptstadt Ocotal. Das sind sechs Stunden Fußmarsch. Ihr Mann baut Mais und Bohnen auf dem kleinen Landstück neben ihrer Hütte an. Davon bestreiten sie ihren Lebensunterhalt. Sie sind sehr arm und leben sprichwörtlich von der Hand in den Mund. Zehn Kinder hat Leonila zur Welt gebracht. Alle in der kleinen Hütte, in der sie noch immer wohnt. Ohne Hilfe. Den Médicos Alemanes, wie man die German Doctors in Nicaragua nennt, vertraut sie, da sie gute Erfahrungen gemacht hat. „Ich habe keine Angst, wenn ich in die Sprechstunde gehe, da ich weiß, dass die deutschen Ärzte gut sind.“

Leonila ist eine von 185 Frauen, die dieses Frühjahr, finanziert von den German Doctors, auf Zellveränderungen am Mutter­mund (PAP-Test) und Papillomviren untersucht wurden, die Risikofaktoren für die Entstehung von Gebärmutterhals­krebs sind. Die Zellproben wurden den Frauen in ihren Dörfern entnommen und dann von einem Pathologen ausgewertet. Die Ergebnisse überbrachten die German Doctors, die mit ihrer mobilen Klinik insgesamt elf entlegene Dörfer in den Bergen um Ocotal anfahren, um dort die Menschen medizinisch und zahn­medizinisch zu versorgen. Jeden Tag fährt das Team, be­stehend aus einem Humanmediziner, einer Krankenschwester, einem Zahnarzt und zwei Helferinnen, frühmorgens los. Die Fahrt mit dem Geländewagen führt über holprige Sandstraßen, teilweise durch Flüsse und Matschpassagen hoch in die Berge. Nach ein bis zwei Stunden Fahrt haben sie ihr Ziel für den Tag erreicht und bauen in den Dörfern ihre Ambulanz auf.

Bei 26 der untersuchten Frauen wurden ausgeprägte Zellveränderungen festgestellt – so auch bei Leonila. Sie wurde zur weiteren Untersuchung und Behandlung an Profamilia in Ocotal überwiesen, die im Bereich Gynäkologie und Kinder­heilkunde Experten sind. Dort wurde sie weiter untersucht und vorsorglich wurde eine Vereisung vorgenommen. Leonila bekam das Fahrgeld nach Ocotal gestellt, denn bei ihr weiß man, dass sie zu arm ist, um es selbst zusammenzubekommen. In Zukunft muss sie – wie alle Frauen, bei denen ein auffälliger PAP-Test vorliegt – alle sechs Monate zur Kontrolluntersuchung. Zehn der positiv getesteten Frauen konnten nicht ambulant, sondern mussten im Krankenhaus weiterbehandelt werden. Bei so gut wie allen untersuchten Frauen wurden Genitalinfektionen und -pilze festgestellt, die mit Antibiotika und weiteren Medikamenten behandelt wurden. Auch im nächsten Jahr soll es wieder den Aufruf zur Untersuchung geben – denn in Nicaragua wie auch hier in Deutschland können durch die Krebs­früherkennung Leben gerettet werden.

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