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Arzneimittelfälschungen stoppen

Achtung: Gefälschte Medikamente!

Arzneimittelfälschungen

Noch sind in Deutschland keine Todes­fälle durch gefälschte Arznei­mittel akten­kundig geworden. Doch jede Medikamenten­fälschung gefährdet die Gesundheit - und die Gefahr durch Internet-Apotheken wächst, warnen Hersteller, Polizei und Gesundheits­ministerium.

  • Arznei­mittel­fälschungen be­schränken sich nicht (mehr) auf Entwicklungs­länder – durch die Globalisierung und den Online-Handel sind sie zum welt­weiten Problem geworden
  • Jedes zweite Präparat, das über das Inter­net gekauft wird, ist gefälscht
  • Gefälschte Medikamente werfen mindestens genauso viel Profit ab wie der Drogen­handel
  • Todes­fälle sind oft­mals schwer auf eine Medikamenten­fälschung zurück­zuführen; in Entwicklungs­ländern geht man jedoch von ca. 1 Million Toten pro Jahr aus

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Florian Rühmann - Ansprechpartner Arzneimittelfälschungen

Christiane Wagner hilft Ihnen gerne weiter:

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Gefälschte Medikamente erkennen

Gefälschte Medikamente

Wann spricht man von gefälschten Medikamenten?

Als gefälscht gelten Medikamente, die vor­sätzlich und in be­trügerischer Ab­sicht falsch ge­kennzeichnet wurden, bei denen also die An­gaben zu ihrer Identität, ihren Inhalts­stoffen und/oder ihrer Herkunft nicht stimmen. Arznei­mittel­fälschungen enthalten

  • gar keinen Wirk­stoff (bestehen z.B. nur aus Backpulver)
  • einen Schad­stoff (z.B. Lösungsmittel)
  • den angegebenen Wirk­stoff in einer falschen Dosierung (meist zu wenig, also in irgend­einer Form „gestreckt“)
  • zwar die richtige Dosierung, werden aber ohne Patentrechte her­gestellt und als Originale verkauft

Weltweit ent­spricht laut Welt­gesundheits­organisation WHO bei 10 Prozent der Medikamente der Inhalt nicht dem Packungs­aufdruck; in Deutschland gehen Experten von einer Fälschungs­rate von einem Prozent aus, Tendenz steigend.

Hohe Gewinnmargen

Warum werden Medikamente gefälscht?

Die Her­stellungs­kosten für gefälschte Medikamente sind gering. Mit einfachen Maschinen und dank digitaler Druck­techniken lassen sich mit wenig Auf­wand auf den ersten Blick kaum als Fälschungen zu ent­larvende Produkte herstellen. Dem geringen Produktions­aufwand stehen enorme Gewinn­margen beim erfolgreichen Verkauf solcher Arznei­mittel­fälschungen gegen­über. Dazu kommt, dass in vielen Ländern die Re­gulierungen bei der Zu­lassung von Medikamenten nicht gut sind oder kaum durch­gesetzt werden und die Straf­gesetze keine oder nicht sehr weitgehende Regeln zur Ver­folgung dieser Straf­taten vor­sehen. Das persönliche Risiko des Fälschers ist also deutlich geringer und mit ebenso großen Gewinn­chancen ver­sehen als das von Her­stellern und Vert­reibern von illegalen Drogen. Dazu kommen die im Zuge der Globalisierung zum Teil leichter gewordenen internationalen Vertriebs­wege und die Zunahme von Apotheken im Internet.

Nachgemachte Medikamente

All dies zusammen macht die Her­stellung und den Ver­kauf von gefälschten Medikamenten für gewissen­lose Menschen zu einem attraktiven Geschäft mit schnellen und hohen Gewinnen. Sind z.B. in Europa bei be­sonders teuren Krebs­medikamenten die Gewinn­margen beim Ver­kauf einzelner Medikamenten­packungen sehr hoch, können aber auch bei weit verbreiteten Medikamenten durch die hohen Absatz­mengen enorme Gewinne von den Kriminellen eingefahren werden. So wurden z.B. im September 2016 bei einer konzertierten Aktion der Welt­zoll­organisation und deren Partner in mehreren Ländern Afrikas Arznei­mittel­fälschungen im Wert von 52 Millionen Euro sicher­gestellt - alles potenziell tödliche Medikamente!

Gefährliche Medikamente

Warum sind Arznei­mittel­fälschungen so ge­fährlich?

Ärzte setzen Medikamente bewusst ein, um Krank­heiten zu be­kämpfen. Enthält das verschriebene Medikament zu wenige, gar keine oder falsche Wirk­stoffe bzw. sogar Schad­stoffe, hat das immer negative Aus­wirkungen für den Patienten. Im besten Falle wird so einfach der Heilungs­prozess ver­zögert. Das Aus­bleiben der intendierten Wirkung kann aber auch dazu führen, dass sich der Krankheits­verlauf verschlimmert, bzw. dass irreparable Schäden durch die Krank­heit entstehen. Im akuten Fall kann das den Tod des Patienten zur Folge haben.

Malaria-Behandlung in Serabu

Am Beispiel: In einigen unserer Projekte ist Malaria eine der häufigsten Todes­ursachen bei kleinen Kindern. Oftmals werden die kranken Kinder erst spät zum Arzt gebracht. Eine erfolgreiche Be­handlung ist dann nur noch mit hoch­wirksamen Malaria-Medikamenten möglich. Selbst gefälschte Produkte, die den angegebenen Wirkstoff zwar enthalten, aber nicht in der nötigen Dosierung, führen so un­mittelbar zum Tod solcher Kinder. Leider gehören gerade Medikamente wie Mittel gegen Malaria oder Tuberkulose-Medikamente mit zu den am meisten gefälschten Pharma­produkten. Neben dem hohen Risiko für den einzelnen Patienten können auch die epidemiologischen Aus­wirkungen gefälschter Medikamente verheerend sein. So können an Tuberkulose er­krankte Patienten, die falsch dosierte Medikamente zu sich nehmen, schneller Resistenzen gegen Wirk­stoffe ent­wickeln. Gleich­zeitig geben sie wegen der aus­bleibenden Wirkung der Medikation diese resistenten Keime an viele andere Menschen in ihrer Um­gebung weiter.

Vertriebswege

Wie werden ge­fälschte Medikamente ver­trieben?

In den USA, Europa, Kanada und Japan sind ge­fälschte Medikamente in Apo­theken äußerst selten: Nur 1 Prozent der Präparate sind Medikamenten­fälschungen, die Arznei­mittel­sicherheit ist über diesen Vertriebs­weg sehr hoch. Anders sieht es hin­gegen bei Apo­theken im Inter­net aus: Auch in den westlichen Industrie­nationen sind 50 Prozent der Medikamente aus dem Inter­net gefälscht.

Tödliche Medikamente

Ungleich dramatischer ist die Situation aller­dings in Afrika, Teilen Asiens und Latein­amerikas. Dort sind zwischen 10 und 30 Prozent aller ver­kauften Medikamente – sowohl in an­er­kannten Apo­theken wie auch auf der Straße oder in un­lizenzierten Läden – Arznei­mittel­fälschungen. Kein Vertriebs­weg entspricht den hiesigen Standards der Arznei­mittel­sicherheit – mit ver­heerenden Folgen für die Gesund­heit ganzer Nationen.

Original vs. Generikum

Was ist der Unter­schied zwischen Original­präparaten, Generika und Marken­generika?

Original­präparate sind Medikamente, die von anerkannten Pharma­herstellern produziert und unter einem Marken­namen ver­trieben werden (ein bekanntestes Beispiel ist Aspirin von Bayer). In der Regel haben die Hersteller­firmen das Medikament selbst ent­wickelt und halten die Patent­rechte.

Gefälschte Medikamente

Ein Generikum, im Plural Generika, ist ein Arznei­mittel, das eine Kopie eines Original­präparats darstellt. Wichtig ist dabei, dass beide Produkte dieselben Wirk­stoffe in der gleichen Menge enthalten. Einzig in den ver­wendeten Zusatz­stoffen und in der bei der Her­stellung ver­wendeten Technologie kann es Unter­schiede geben. Diese dürfen aber keine Aus­wirkung auf die Wirksamkeit des Produktes haben. Die Rechte zur Herstellung von Generika können vom Inhaber der Patent­rechte eines Original­präparats an Generika-Hersteller verkauft werden. Ein anderes Modell ist, dass ein Tochter­unternehmen die Produktion und den Ver­trieb des Generikums übernimmt. In beiden Fällen wird es unter dem inter­nationalen Freinamen (INN) in Ver­bindung mit dem Hersteller­namen verkauft. Als Marken­generika bezeichnet man Medikamente, die aus patenfreien Wirk­stoffen (z.B. nach Ablauf der Patente) her­gestellt und unter einem eigenen Handels­namen ver­trieben werden.

Arzneimittelsicherheit weltweit sicherstellen

Unter anderem weil die Unter­nehmen, die Generika herstellen, nicht in die Forschung und Er­probung von Medikamenten investieren, können sie ihre Produkte oftmals deutlich unter dem Preis eines wirkstoff­gleichen Originalp­räparats anbieten. Gerade deshalb werden sie gerne im Bereich der humanitären Hilfe und der Entwicklungs­zusammen­arbeit verwendet, da sie kosten­günstiger sind. Ein nicht uner­hebliches Argument bei vielen spenden­finanzierten Nicht-Regierungs­organisationen. Voraus­setzung dafür ist aber, dass man sich sicher sein kann, dass das eingekaufte Medikament tatsächlich die an­gegebenen Wirk­stoffe in der vor­geschriebenen Dosierung enthalten.

Von Arznei­mittel­fälschungen sind allerdings nicht nur Generika, sondern auch Original­präparate betroffen. Während Betrüger in Europa, den USA und anderen ent­wickelten Märkten den größten Gewinn mit dem Ver­kauf gefälschter teurer Original­präparate machen, werden in anderen Regionen auch über das Massen­geschäft mit gefälschten Generika große Gewinne eingefahren.

Unser Kampf gegen gefälschte Medikamente

Arzneimittelsicherheit

Wie gehen die German Doctors mit dem Problem um?

Generika spielen bei der Medikamenten­versorgung unserer Patienten eine große Rolle, da sie in der Regel günstiger sind und wir somit die uns an­vertrauten Spenden­mittel effektiver einsetzen können. Auch gehört es zu unseren Prinzipien, nach Möglich­keit die Medikamente auf dem lokalen Markt unserer Einsatz­regionen zu kaufen, da dies durch weg­fallende Transport- und Einfuhr­kosten ebenso zur Kosten­ersparnis beiträgt. Außer­dem sehen wir es als einen Bei­trag zur wirtschaftlichen Ent­wicklung der Volks­wirtschaften unserer Einsatz­länder. Damit steigt aber auch das Risiko, an Arznei­mittel­fälschungen zu geraten und damit potenziell tödlich Medikamente ein­zusetzen.

Arzneimittelfälschungen erkennen

Minilabore bringen großen Erfolg

In den Jahren 2005 bis 2016 konnten wir dank der Unter­stützung der Celesio AG in einzelnen Projekten dieses Thema aktiv angehen und mit Hilfe eines für den Feld­einsatz geeigneten Mini­labors (inzwischen als GPHF-Minilab® bekannt) die Fälschungs­quote bei den eingesetzten Arznei­mitteln in unserem Nairobi-Projekt von über 9 Prozent auf 0 Prozent senken. In Indien war der Erfolg noch durch­schlagender: 2005 hatte dort die Fälschungs­quote bei über 30 Prozent ge­legen; diese konnte auf etwa 4 Prozent verringert werden. Nach Inbetrieb­nahme der zentralen Apotheke in 2012 konnten schließ­lich auch in unserem Kalkutta-Projekt keine gefälschten Medikamente mehr nach­gewiesen werden. Aller­dings ist und bleibt es eine große Heraus­forderung, diese guten Werte auch über einen längeren Zeit­raum zu garantieren.

Medikamentenfälschung erkennen

Augen auf bei der Großhändler-Wahl

Daher nutzen wir, wo das möglich ist, für den Ein­kauf entweder auf NGOs spezialisierte Groß­händler mit eigenem WHO-zertifizierten Labor wie in Kenia, oder halten uns möglichst an Händler, die bei den Tests mit dem Mini­lab positiv ab­schnitten. Es ist uns aller­dings be­wusst, dass die Möglich­keiten des Mini­labs begrenzt sind und nur eine kontinuierliche Kontrolle einiger­maßen Sicher­heit gewährleisten kann. Die Prüfungen aber kosten Zeit und Geld, beides eng be­grenze Ressourcen bei NGOs. Zurzeit können Kontrollen von uns nur stich­proben­artig durch­geführt werden.

In anderen Einsatz­ländern, in denen es keinen funktionierenden Markt für Generika gibt oder wo es schlicht zu teuer ist, vor Ort ein­zukaufen, be­ziehen wir die Medikamente über an­erkannte Groß­händler, die sich auf die Unter­stützung humanitärer Arbeit spezialisiert haben - beispiels­weise für unsere Projekte auf den Philippinen. Diese Groß­händler setzen eigene Labore und Mechanismen der Qualitäts­sicherung ein. Bangladesch ist es seit den 80er Jahren gelungen, eine eigene kontrollierte Pharma­industrie aufzubauen. Daher gehen wir momentan davon aus, dort wirk­same Medikamente auf dem lokalen Markt zu er­werben.

Der Kampf gegen Arznei­mittel­fälschungen dauert an

Für eine einzelne Hilfs­organisation bleibt aber letztlich das Problem ge­fälschter Medikamente eine große Heraus­forderung, die sie alleine nicht be­wältigen kann. Inter­nationale und nationale An­strengungen müssen dazu führen, dass Patienten, bei uns in Deutschland und welt­weit sicher sein können, dass sie mit den ver­schriebenen Medikamenten auch wirklich (nur) die zu ihrer Heilung not­wendigen Wirk­stoffe auf­nehmen. Ziel muss es daher sein, die Arnei­mittel­sicherheit welt­weit zu verbessern!

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