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Aktuelles

Ein Labor im Nirgendwo

Labor in Sierra Leone

Ein Labor im Nirgendwo

Unser Krankenhaus in Sierra Leone liegt sehr abgelegen und ist für 50.000 im Umkreis lebende Menschen die einzige medizinische Einrichtung. Wir sind sehr stolz auf das, was wir seit der Übernahme des Hospitals in Serbau im Jahre 2010 schon erreicht haben. Eine Erfolgsgeschichte ist dort nicht nur das Krankenhaus, sondern auch unser Labor.

In unserem kleinen Labor, das den Ruf genießt, sehr sauber und gut organisiert zu sein, arbeiten drei Mitarbeiter. Analysiert werden dort Körperflüssigkeiten und Proben der Patienten. Seit dem Sommer gibt es ein Hämatologie-Analysegerät und ein Reflotron, welche die Arbeit der Mitarbeiter erleichtern. Dank des Analysegeräts können Blutwerte schneller zuverlässig ermittelt werden. Dies ist in Zeiten, in denen das Krankenhaus voll belegt ist, sehr hilfreich. Mit dem Reflotron werden Leber-, Nieren und Kaliumwerte gemessen. Gerade bei malariakranken Kindern, die wir in und nach der Regenzeit leider sehr zahlreich sehen, ist es wichtig, auf den Kaliumwert zu achten. Zur Einarbeitung an den neuen Geräten kam Frau Hanne Fleischmann, die als labortechnische Beraterin am Missionsärztlichen Institut in Würzburg arbeitet, nach Sierra Leone gereist. Die deutsche Labortechnikerin steht unseren Labormitarbeitern beratend und supervisierend zur Seite, was für die Qualität der Arbeit dort immens wichtig ist. Denn nur der Laborleiter hat einen formalen Ausbildungsabschluss und kann alle biochemischen Untersuchungen durchführen. Die beiden anderen Mitarbeiter qualifizieren sich durch ihre jahrelange Arbeitserfahrung im Labor. Die behandelnden Ärzte des Krankenhauses sind auf die Ergebnisse aus dem Labor angewiesen – und dies nicht nur tagsüber, sondern in Notfällen rund um die Uhr. Daher ist es gut, dass einer der Labormitarbeiter auf dem Krankenhausgelände wohnt.

Für uns in Deutschland sind funktionierende Labore selbstverständlich; nicht so für die Menschen und Mitarbeiter vor Ort. Die Realität in Serabu ist eine ganz andere: Es gibt keine Strom- und keine stabile Internetleitung, ebenso wenig wie fließendes Wasser. Die Straßen, über die die Patienten ggf. verlegt werden müssen, und über die die German Doctors anreisen, sind sehr schlechte Holperpisten. Wie kann ein Krankenhaus unter diesen Bedingungen überhaupt funktionieren? Seit 2012 ersetzt eine Solaranlage die dieselbetriebenen Generatoren. Das war wahrlich ein Quantensprung, denn dadurch haben wir Strom rund um die Uhr. Das bedeutet, im OP gibt es eine funktionierende Klimaanlage, das Operationsbesteck wird in einem Sterilisator statt im Kohlenfeuer gereinigt, benötigte medizinische Geräte ebenso wie Kühlschränke für das Labor, die Apotheke und die Blutbank werden kontinuierlich mit Strom versorgt. Eine stabile Internetverbindung, die den Kontakt nach außen für Konsile und Besprechungen ermöglicht, wird durch die Teilnahme am SATMED-Projekt gewährleistet. Die satellitenbasierte E-Health-Plattform ist ein Projekt des luxemburgischen Satellitenbetreibers SES S.A. und des Luxemburger Ministeriums für auswärtige und europäische Angelegenheiten, bei dem wir in der laufenden Pilotphase teilnehmen. Seit 2014 steht auf dem Krankenhausgelände eine Satellitenschüssel und sorgt für eine meistens stabile Internetverbindung.

Seit 2010 unterhalten wir unser Krankenhaus in Serabu, das unweit des Länderdreiecks Sierra Leone, Liberia und Guinea liegt. Das Krankenhaus hat eine lange Geschichte: Es wurde 1954 von irischen Ordensschwestern gegründet, im Bürgerkrieg vollständig zerstört und von 2006 bis 2008 mit EU-Geldern wiederaufgebaut. Wir unterstützen das Krankenhaus finanziell, personell und mit Beratung. Während der Ebola-Krise war es eine der letzten privaten Einrichtungen, die geöffnet blieb und kranke Patienten behandelte. Darauf sind die Mitarbeiter und wir sehr stolz, denn während Ebola mussten natürlich weiterhin Kinder mit Malaria behandelt, Kaiserschnitte durchgeführt und Blinddärme entfernt werden.

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