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Taifun Haiyan - Hilfseinsatz Leyte

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Esther Goldberg, die zurzeit das Rollinc Clinic-Team auf Leyte begleitet, berichtet erneut von ihren Erlebnissen und Begegnungen auf den Philippinen. Ein erschütternder Bericht aus einem stark zerstörtem Gebiet.

DULAG. 45 Dörfer mit 48.000 Menschen gehören zur Provinz Dulag auf Leyte. Eine Provinz, in der durch den Taifun Haiyan 8.000 der 9.000 Häuser zerstört wurden. Die Dörfer sind nach wie vor voller Trümmer und herumliegender Bruchteile von Hauswänden. Zumeist sind sie an den Rand der Gassen gestapelt, so dass zumindest Fahrräder durchfahren können. Mitten in einigen Häusern liegen umgestürzte Palmen. Die Bäume haben die Behausungen regelrecht zermalmt. Es grenzt an ein Wunder, dass in diesem Gebiet nicht noch mehr als 12 Tote zu beweinen und 156 Verletzte zu versorgen waren. Die Reisernte ist auch vollkommen zerstört. Die ersten Nutztiere, kleine Ferkel, laufen in den Dörfern herum. Überall sind Hausreste mit Planen von der UNO, von Plan, Save  the children und anderen Hilfsorganisationen bedeckt, so dass die Familien dem immer noch starken Regen nicht gänzlich schutzlos ausgeliefert sind. In den Palmenwäldern, die nun keine mehr sind, kreischen Motorsägen. Auch die German Doctors haben zwei solcher Sägen gekauft. Die zerstörten Palmen können auf diese Weise wenigstens noch für Baumaterial neuer Hütten verwendet werden.

German Doctors arbeitet auf Leyte mit Green Mindanao zusammen. Butch Dagondon leitet in Dulag die Hilfsmaßnahmen, die dank der German Doctors auch außerhalb der medizinischen Hilfe möglich sind. Wenn ausreichend Spenden zusammen kommen, sollen hier 1.500 Häuser neu entstehen. Doch nicht nur deshalb wäre es ein fataler Fehler, würden zusätzliche Spenden für die Philippinen nun ausbleiben, da der Taifun Haiyan aus den meisten Medien wieder verschwunden ist.

"Ich gehe davon aus, dass es Jahre dauern wird, bis die Region wieder ganz normal funktionieren kann", so Butch Dagondon. Noch gibt es internationale Hilfe. Derzeit geht es vor allem darum, den Menschen ausreichend Essen zu geben. Reis aus aller Welt. Und Corned Beef. Und Salz. Und Öl. Und Trockenfisch. So sieht Überleben 2014 aus. Es ist schwer zu ertragen, da hinsehen zu müssen.

Aber es gibt auch Antworten auf die Katastrophe: Möglichkeiten, dass die Menschen arbeiten können. Arbeit gibt es wahrlich genug, doch es fehlt an Geld, die Menschen für ihr Tun zu bezahlen. Ohne Geld jedoch geht das Leben auf Dauer nicht weiter. Weil die ersten Geschäfte wieder geöffnet haben und für ihre Waren Geld wollen. Die UNO hat ein entsprechendes Hilfsprogramm aufgelegt.

Zwischen Dulag und Tacloban liegt an der einzigen Verbindungsstraße eine Kirche. Direkt vor dem Eingang befindet sich der Friedhof. Die philippinische Crew der German Doctors bekreuzigt sich jedes Mal, wenn sie an dieser Kirche vorbei fährt. „Dass es vor dem Eingang einer Kirche einen Friedhof gibt, hat es in der Geschichte der Philippinen noch nie gegeben", erklärt Jocelyne Walo dieses dumpfe Gefühl von Hilflosigkeit, das sie jedes Mal überkommt. Der Friedhof entstand nach dem Taifun. Als Schutz vor Seuchen und Respekt gegenüber den Opfern.

Inzwischen gibt es immer irgendwo auch Zeichen der Hoffnung:  Vor den halb zerstörten Schulen hängen Transparente: „Willkommen zurück in der Schule", heißt es dort. So beginnt der beschwerliche Weg in die Normalität.

In Dulag und anderswo auf Leyte. Und mit den German Doctors.

Von Esther Goldberg

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