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Patientengeschichten aus Kalkutta

Tuberkulose Indien

Patientengeschichten aus Kalkutta

Dr. Tobias Vogt, unser Langzeitarzt in Kalkutta, ist immer wieder mit schweren Schicksalen konfrontiert. Heute berichtet er von einem erfreulichen Ereignis: Eine junge Frau konnte als geheilt entlassen werden - doch die nächste Patientin wartet schon...

Eine 25-jährige Patientin des Frauen-Tuberkulose-Krankenhauses St. Thomas Home in Kalkutta kann in diesen Tagen nach Hause entlassen werden. Ihr Name ist Dipti Halder, sie kommt aus einem Dorf etwa 70 Km südlich von Kalkutta, nahe der Kreisstadt Diamond Harbour. Diese Stadt liegt direkt an der Mündung des Ganges in den Golf von Bengalen. Als wir Dipti kennenlernten war sie durch ihre offene (d.h. hochansteckende) Lungentuberkulose extrem geschwächt und wog nur noch 29 Kg. Sie hatte ausserdem tuberkulöse Lymphknotenschwellungen am Hals (bis zu 5 cm große Knoten) und im Bauch. Wie das linke Bild zeigt, war sie zuerst zu schwach zum Laufen und musste im Rollstuhl hin- und hergeschoben werden. Auf dem rechten Bild sieht man, dass es Dipti nach sechsmonatiger stationärer Behandlung gegen die Tuberkulose nun deutlich besser geht. Sie hat 10 Kg Körpergewicht zugenommen und ihre Lungen- und Lymphknoten-Tuberkulose ist ausgeheilt, so dass wir sie aus der stationären Behandlung entlassen können.

Für Dipti Halder rückt jedoch sofort eine neue Patientin ins Krankenhaus nach, die 21-jährige Jema Toppo. Sie ist schwer krank und leidet an einem Rückfall einer offenen Lungentuberkulose. Vor 4 Jahren hatte sie dieses Krankheitsbild schon einmal und wurde erfolgreich behandelt. Vermutlich ist sie nun erneut angesteckt worden, dies passiert in den Slums von Kalkutta leider sehr schnell. Da die Wohnverhältnisse in den Slums extrem beengt sind, gehören Seuchenkrankheiten zum Alltag.

Jema kam gerade noch rechtzeitig ins Krankenhaus. Am zweiten Tag ihrer stationären Aufnahme hatte sie aufgrund ihrer ausgedehnten Lungentuberkulose einen derart intensiven Erstickungsanfall bekommen, an dem sie im Slum höchstwahrscheinlich gestorben wäre. Nur mit viel Sauerstoff und starken Medikamenten hat sie ihre bisher schlimmste Nacht überlebt. Sie ist weiterhin kurzatmig, aber nun nicht mehr ganz so extrem, und kann sich nur mit Mühe ein paar Meter bewegen. Sie isst nicht besonders gut – das geht fast allen Tuberkulosepatienten so. Jema ist in einem Einzelzimmer untergebracht, da sie extrem gefährliche Keime um sich streut. Wer immer ihr Zimmer betritt darf dies nur mit fest sitzender Maske um Mund und Nase tun. Ihre Mutter ist aber Tag und Nacht bei ihr, um die erste kritische Zeit zu bewältigen.

Ich danke allen Spendern der German Doctors. Dank Ihrer Hilfe können wir die Behandlungskosten für Dipti, Jema und viele weitere schwerkranke Patienten übernehmen. Diese sind für deutsche Verhältnisse erstaunlich gering: Für nur 100 Euro pro Monat kann ihnen im St. Thomas Home geholfen werden.

Es grüßt Sie aus Kalkutta,
Dr. Tobias Vogt

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