{"id":8750,"date":"2019-10-04T10:06:35","date_gmt":"2019-10-04T08:06:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/?p=8750"},"modified":"2026-04-08T12:04:06","modified_gmt":"2026-04-08T10:04:06","slug":"linzer-torte-in-bangladesch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/2019\/10\/04\/linzer-torte-in-bangladesch\/","title":{"rendered":"Linzer Torte in Bangladesch"},"content":{"rendered":"<h1>Linzer Torte in Bangladesch<\/h1>\n<h3>Teil 2 des Berichts von Einsatzarzt Dr. Frieder Metz aus Chittagong<\/h3>\n<p>Wieder einmal sind wir mit Father Robert unterwegs. Diesmal geht es nach Sitakund, das liegt gut 15 km n\u00f6rdlich von <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/de\/projekte-entdecken\/chittagong\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Chittagong<\/a>. Ein Baby Taxi bringt uns zusammen mit einem weiteren Mitarbeiter und zwei S\u00e4cken W\u00e4sche \u00fcber den Highway dorthin. Zu Hause w\u00e4re sicher ein Mercedes Taxi vorgefahren und wir h\u00e4tten gesagt, dass sich diesmal das Taxi doch gelohnt hat. Hier geht das auf 2,5 Meter L\u00e4nge und vielleicht etwas mehr als einen Meter Breite, schon mit einigen Abstrichen am Komfort. Auf der hinteren Bank ist man auf st\u00e4ndiger Tuchf\u00fchlung, bekommt nur begrenzt mit, wie man sich gerade im Verkehr bewegt. Pl\u00f6tzliche Schwenks f\u00fchren zwischen den anderen Fahrzeugen auf einmal ganz wo anderes hin. Diese dreir\u00e4drigen Fahrzeuge k\u00f6nnen ja \u00e4hnlich den Fahrradrikschas pl\u00f6tzlich eine 90\u00b0 Wendung machen. Der Federungskomfort ist minimal, die Stra\u00dfen oft katastrophal. Aber man kommt ans Ziel, eine knappe Stunde haben wir gebraucht.<\/p>\n<div id=\"attachment_8756\" style=\"width: 390px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Chittagong-Ruth-Mueller-2009-66.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8756\" class=\"wp-image-8756\" src=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Chittagong-Ruth-Mueller-2009-66.jpg\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Chittagong-Ruth-Mueller-2009-66.jpg 1800w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Chittagong-Ruth-Mueller-2009-66-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Chittagong-Ruth-Mueller-2009-66-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Chittagong-Ruth-Mueller-2009-66-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Chittagong-Ruth-Mueller-2009-66-794x596.jpg 794w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Chittagong-Ruth-Mueller-2009-66-365x274.jpg 365w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8756\" class=\"wp-caption-text\">Die gro\u00dfen Schiffe werden unter schlimmsten Bedingungen zerlegt<\/p><\/div>\n<p>Der Highway l\u00e4uft einige Kilometer im Landesinneren von der Bengalischen See nach Dhaka. Es ist die Region, wo an der K\u00fcste die ausgedienten Ozeandampfer eine letzte Fahrt weit auf den sandigen Strand machen, um dort abgewrackt zu werden. Der Zutritt dorthin ist verwehrt seitdem bekannt wurde, wie verheerend dort die Arbeitsbedingungen und Umweltbelastungen sind. Ungelernte Arbeitsuchende gibt es ja zu Hauf und mit primitivsten Mitteln werden die Schiffe auseinandergenommen und zerlegt. Etwa 20 Unfalltote gibt es auf diesem Arbeitsgel\u00e4nde im Jahr. Krankheit und Invalidit\u00e4t liegen sicher h\u00f6her, einen Versicherungsschutz gibt es nicht. \u00dcberall in <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/de\/projekte-entdecken\/chittagong\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Chittagong<\/a> gibt es Gesch\u00e4fte und Lager, die Eisenrohre jeglichen Durchmessers, Stahlplatten unterschiedlichster Dicke anbieten. Gestern sah ich auf dem Weg zur Au\u00dfenstelle einen Mann, der mit einem Schwei\u00dfbrenner 200l Stahlflaschen (im <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/thema\/krankenhaus\/\">Krankenhaus<\/a> hatten wir sie fr\u00fcher, um Sauerstoff ans Bett zu bringen) in breite Streifen zerlegte. Hier am Highway werden gr\u00f6\u00dfere St\u00fccke zerlegt und angeboten. Gangways frisch gestrichen, man kann sie vielleicht als Treppen beim Hausbau verwenden. Winden, Motoren, drei Meter hohe Schiffsmotoren standen an der Stra\u00dfe. K\u00fchlschr\u00e4nke, Edelstahlsp\u00fchlen, dicke Isolierungen von K\u00fchlschiffen, frisch gestrichene Rettungsboote. Eine ganze weiter verarbeitende Industrie ist hier entstanden.<br \/>\nMitten in diesem Get\u00fcmmel bogen wir dann auf einen kleinen Feldweg ab und waren im Nu im l\u00e4ndlichen Bereich, Reisfelder kurz vor der Ernte, einzelne Rinder, H\u00fchner, G\u00e4nse, Enten.<\/p>\n<h4>Landflucht in Bangladesch<\/h4>\n<p>Dazwischen viele kleine H\u00fctten, \u00fcberwiegend sehr einfach, nur wenige sind gemauert. Hier leben und arbeiten 18 Familien indigener Abstammung, sie kommen aus einer Region gut eine Tagesreise entfernt in den Bergen. Als die Landwirtschaft dort zum \u00dcberleben nicht mehr ertragreich genug war, machten sie sich auf und haben hier Arbeit gefunden. Die M\u00e4nner arbeiten in einer Sauerstoff Fabrik, die Frauen bleiben zu Hause. Viele <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/thema\/kinder\/\">Kinder<\/a> sind zu versorgen, wenn sie gr\u00f6\u00dfer sind gehen sie zur\u00fcck in ihr Heimatdorf. Hier sind die H\u00fctten klein, m\u00fcssen gemietet werden, 15m\u00b2 f\u00fcr 15 \u20ac. Zu Hause geh\u00f6rt ihnen das Land mit dem Haus darauf. Landflucht in <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/projekte\/bangladesch\/\">Bangladesch<\/a>. Mit den Nachbarn \u2013 Moslems, Hindi \u2013 haben sie eine Kooperative gegr\u00fcndet, um gemeinsame Interessen zu vertreten und Aufgaben zu bew\u00e4ltigen. So wurden vor einem Jahr f\u00fcnf N\u00e4hmaschinen angeschafft, damit die Frauen ihre Familien mit Kleidern versorgen k\u00f6nnen und vielleicht einen Eigenerwerb zu bekommen. Die christlichen Familien haben sich sehr gefreut, Father Robert wieder zu treffen. Ein kleines M\u00e4dchen hatte sein Sonntagskleidchen angezogen und war leicht geschminkt, als ob es gleich in eine Theatervorstellung gehen wollte. Das Erscheinungsbild dieser Stammesleute unterscheidet sich recht deutlich von dem der meisten Bengalen. Der mongolische Eindruck ist recht deutlich. Uns wurde drei Patienten vorgestellt mit der Bitte, ihnen einen Rat zu geben. Eine Schwangere mit einem Befund am Eierstock. Wir konnten sie beruhigen, dass es wohl kein b\u00f6sartiger Tumor ist. wie bei uns denken auch hier die Menschen beim Wort Tumor sofort an etwas B\u00f6sartiges. Ein junger Mann hatte vor drei Monaten der Schilderung nach einen geplatzten Blinddarm gehabt. Mit einer hochdosierten Antibiotikabehandlung hat er erstaunlicherweise ohne Operation \u00fcberlebt. Er war aber immer noch nicht wieder ganz hergestellt und machte nach wie vor einen leidenden Eindruck.<\/p>\n<p>Zum Essen waren wir alle eingeladen. Platz f\u00fcr einen gro\u00dfen Tisch und alle St\u00fchle darum ist in den H\u00fctten ja nicht gegeben. So sa\u00dfen drei auf dem Bett, vier hatten einen Stuhl, nebenan sa\u00dfen die <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/thema\/kinder\/\">Kinder<\/a> auf dem Boden. Ohne R\u00fccksicht auf einen europ\u00e4ischen Gaumen war das Essen auch f\u00fcr mich recht scharf gekocht. Dazu gab es einen Reiswein, den sie selbst herstellen. Er hat die Farbe unseres Federwei\u00dfen, der Alkoholgehalt ist eindeutig h\u00f6her. Unsere Reisekosten haben sich auf rund 13 Euro belaufen, f\u00fcr uns Europ\u00e4er ist das ja kein un\u00fcberwindlicher Betrag, aber Father Robert kann das nicht allzu oft aufbringen.<\/p>\n<div id=\"attachment_8758\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3941.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8758\" class=\"wp-image-8758\" src=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3941.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"421\" srcset=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3941.jpg 1198w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3941-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3941-768x1153.jpg 768w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3941-682x1024.jpg 682w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3941-794x1192.jpg 794w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3941-365x548.jpg 365w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8758\" class=\"wp-caption-text\">Am Stra\u00dfenrand entfernt der H\u00e4ndler den Fisch von seinen Schuppen<\/p><\/div>\n<p>Und noch einmal steht Father Robert f\u00fcr unser Wochenendprogramm an. Eine Philippinin, die seit 16 Jahren hier f\u00fcr eine gro\u00dfe Bekleidungsfabrik arbeitet und ihn als ihren Pfarrer kennt, hat er \u00fcberredet, ihn mit 8-10 S\u00e4cken voller Altkleider und mehreren gepackten Kisten zu christlichen Stammes-Mitgliedern auf einer Teeplantage bei Bashkhali zu fahren. Sie kommt mit einem gro\u00dfen 9-Sitzer, genug Platz f\u00fcr uns neben zwei ihrer Mitarbeiter. Wir brechen kurz nach 9.00 Uhr auf und erleben erstmal nur wenige 100 Meter von uns entfernt einen voll pulsierenden Fischmarkt. Es ist im Grund kein Durchkommen, wir stehen 20 Min. mitten in dem Treiben. K\u00f6rbe voll wird Fisch unterschiedlichster Herkunft verladen. Alle Gr\u00f6\u00dfen sind vertreten, ein fast ein Meter langer Wels balanciert als Einzelst\u00fcck \u00fcber den K\u00f6pfen, ein gro\u00dfer Rochen ist schon in handliche St\u00fccker zerlegt. Lastenrikschas bringen gro\u00dfe Eisbl\u00f6cke bei, von Hand zerschlagen aber auch maschinell gemahlen liegt es in Lagen zwischen den Fischen. Von den auf den K\u00f6pfen balancierten K\u00f6rben tropft das Eiswasser auf den Tr\u00e4ger. Bei der Au\u00dfentemperatur ist das wohl angenehm kalt, den Fischgeruch d\u00fcrfte der Tr\u00e4ger aber nicht so leicht loswerden. Auch die beladenen Kleinlaster ziehen diese Wasserspur hinter sich her, bis sie irgendwo entladen werden. Ich muss da noch einmal an einem Wochenende zu Fu\u00df hin, im klimatisierten Auto fehlen doch einige Eindr\u00fccke.<\/p>\n<h4>Dort helfen, wo es am ehesten fehlt<\/h4>\n<p>Auf der gro\u00dfen Br\u00fccke \u00fcber den Karnaphuli m\u00fcssen wir Br\u00fcckenzoll bezahlen. Sie f\u00fchrt hoch hinauf, da auch gro\u00dfe K\u00fcstenschiffe den Fluss noch weiter befahren, der Ausblick ist sch\u00f6n, aber zu schnell vorbei. Auch an einer weiteren Br\u00fccke wird Br\u00fcckenzoll erhoben. Hier liegt die alte F\u00e4hre halb abgesoffen und rostend am Ufer. Da ist es schon schneller und billiger mit den Br\u00fccken. Das Land ist flach, nach einem heftigen Regen in der letzten Nacht steht alles unter Wasser, gut f\u00fcr den Reisanbau, schlecht f\u00fcr die Wege. Nach fast zwei Stunden \u00fcber immer kleiner werdende Stra\u00dfen steigt das Gel\u00e4nde langsam an. Das Wasser im Stra\u00dfengraben beginnt auf einmal zu fliesen. Dann tauchen H\u00fcgel auf und schon sind wir im Teegarten. Das Bild ist mir bekannt vom Ausflug in ein anderes Teeanbaugebiet damals in Dhaka. Es ist friedlich, die Teestr\u00e4ucher ziehen sich in Reih und Glied die H\u00e4nge hoch, \u00fcberdacht von hohen B\u00e4umen liegen sie teils im Schatten, teils in der Sonne. Unterschiedlichstes Gr\u00fcn bestimmt das Bild, die frischen Teetriebe leuchten. Pfl\u00fcckerinnen sind keine zu sehen, die warten mit ihren Familien oben im Dorf, das auf den H\u00fcgeln in nur 100 \u2013 200m H\u00f6he liegt. Das hei\u00dft Tee und Reis brauchen dasselbe Klima, der Tee hat es nur lieber trocken und m\u00f6chte einem sandigen Boden. Das Dorf sind Reihen von Wellblechh\u00fctten. Unter der Sonne ist es in ihnen stickend hei\u00df. Lehmh\u00fctten mit Stroh- oder Pflanzend\u00e4chern w\u00e4ren da sicher angenehmer.<\/p>\n<div id=\"attachment_8760\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P7090135.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8760\" class=\"wp-image-8760\" src=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P7090135.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"373\" srcset=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P7090135.jpg 1350w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P7090135-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P7090135-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P7090135-794x1059.jpg 794w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P7090135-365x487.jpg 365w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8760\" class=\"wp-caption-text\">In den Wellblechh\u00fctten kann es sehr hei\u00df werden<\/p><\/div>\n<p>Die besuchten Christen sind auch hier eine Minderheit, aber begr\u00fc\u00dft werden wir von allen. Father Robert hat auf dem Weg einen gro\u00dfen Sack mit s\u00fc\u00dfem Geb\u00e4ck besorgt. Er wei\u00df halt, wo es am ehesten fehlt. Bestimmt 20 bis 30 Kinderh\u00e4nde sind zu f\u00fcllen, als er es von einer gro\u00dfen Platte verteilt. Ich frage ihn anschlie\u00dfend, ob er sich wie bei einer Erstkommunion gef\u00fchlt habe? Nein, da w\u00fcrden die <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/thema\/kinder\/\">Kinder<\/a> ein bisschen geordneter anstehen. Alle kleinen H\u00e4nde wurden gef\u00fcllt, alle haben sich gefreut. Nach einem halbst\u00fcndigen Spaziergang durch den Teegarten versammelt er die christlichen Familien in einer kleinen Wellblechkirche. Es gibt nur einen Tisch, zwei St\u00fchle, einen Teppich auf dem gefegten Lehmboden. Weihwasser hat er wieder dabei, das verteilt er wie immer gro\u00dfz\u00fcgig. Dem Klang nach ein Vater Unser, ein Mariengebet. Er hat etwa 20 laminierte Bilder gr\u00f6\u00dfer als DIN A4 mitgebracht. Bibeldarstellungen, Jesus- Marienbilder, Kreuzigung, alles sehr bunt, der Unterschied zwischen Kitsch und primitiver Kunst verschwimmt etwas. Sicher nicht mein Geschmack. Da kann sich jede Familie ein Bild in die H\u00fctte h\u00e4ngen. Dann werden die S\u00e4cke mit den Kleidern ausgeleert, es ist ein etwas heftiges, besitzergreifendes Ziehen und Zusammenraufen. Armvoll gehen sie hinaus. Auch Andersgl\u00e4ubige erhalten einen Anteil, sie sind ja sicher genauso arm. Was sie letztlich ergattert haben, werden sie erst zu Hause erkennen. Dann gibt es ein gro\u00dfes Feilschen und das geh\u00f6rt dazu. Auf der R\u00fcckfahrt kommen uns im n\u00e4chsten Ort die Schulkinder auf ihrem Heimweg entgegen. Viele in Schuluniform, die Jungen ganz normal gekleidet, die M\u00e4dchenfast alle voll verschleiert. Father Robert sagt, dass in dieser l\u00e4ndlichen Region ein ganz strenger Islam gelebt wird. Das sehen wir auch, als wir noch im selben Ort l\u00e4nger in einem Stau festsitzen. Hunderte, wenn nicht mehrere Tausend M\u00e4nner aller Altersstufen kommen uns entgegen. Auf, neben der Stra\u00dfe hat eine Versammlung, Demonstration stattgefunden und den gesamten Verkehr lahmgelegt. Politisch, gewerkschaftlich, wir wissen es nicht. Es ist keine einzige Frau dabei gewesen. An diesem Geschlechterverst\u00e4ndnis wird sich so schnell nichts \u00e4ndern. Um 15.00 Uhr sind wir zur\u00fcck, auf dem Fischmarkt waren nur noch einzelne gef\u00fcllte K\u00f6rbe zu sehen. Wasser, Dusche, Spaghetti in der Pfanne gew\u00e4rmt und die Beine von sich gestreckt.<\/p>\n<h4>Behandlung nur f\u00fcr Bed\u00fcrftige<\/h4>\n<p>F\u00fcnf Patienten sind mir heute aufgefallen. Ein 7 Jahre altes M\u00e4dchen, mager, schwer atmend. Es war in den letzten Jahren schon wiederholt mit Lungenentz\u00fcndungen bei uns gewesen. Anfang des Jahres war ein R\u00f6ntgenbild der Lunge nicht sehr auff\u00e4llig, <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/de\/ueber-uns\/krankheiten-in-entwicklungslaendern\/tuberkulose\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Tuberkulose<\/a> war damals mit zwei Sputum Untersuchungen ausgeschlossen. Jetzt h\u00f6rte ich \u00fcber der linken Lunge kein Atemger\u00e4usch, der Klopfschall war verk\u00fcrzt. Das R\u00f6ntgenbild zeigte dann auch eine komplette Verschattung der linken Lunge, im Ultraschall war hier freie Fl\u00fcssigkeit zu sehen. Die staatliche Lungen-<a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/thema\/tuberkulose\/\">Tuberkulosebeh\u00f6rde<\/a> war leider nicht die richtige Anlaufstelle, das Kind musste an die Kinderklinik weiter geschickt werden. Von dort kam ein anderes vier Jahre altes M\u00e4dchen. Es hatte vor wenigen Tagen die 2. oder 3. Bluttransfusion erhalten. Auch sie war Anfang des Jahres bei uns gewesen. Bei einem Hb von 3.6g%, einer gro\u00dfen Milz war sie mit dem Verdacht auf Thalass\u00e4mie = Mittelmeeran\u00e4mie eingewiesen worden. Klinisch hat sich dieser Verdacht best\u00e4tigt, leider haben wir keine Labor-Unterlagen, die ihn best\u00e4tigen.<\/p>\n<div id=\"attachment_8723\" style=\"width: 390px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/WP_20150914_10_24_23_Pro-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8723\" class=\"wp-image-8723\" src=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/WP_20150914_10_24_23_Pro-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/WP_20150914_10_24_23_Pro-Kopie.jpg 1024w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/WP_20150914_10_24_23_Pro-Kopie-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/WP_20150914_10_24_23_Pro-Kopie-768x433.jpg 768w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/WP_20150914_10_24_23_Pro-Kopie-794x447.jpg 794w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/WP_20150914_10_24_23_Pro-Kopie-365x206.jpg 365w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8723\" class=\"wp-caption-text\">Der Knick ist auf der R\u00f6ntgenaufnahme deutlich zu erkennen<\/p><\/div>\n<p>Ein eineinhalb Jahre alter Junge kam mit einer Fehlstellung des linken Beines. Im Alter von 6 Monaten sei er gefallen, das Bein h\u00e4tte zumindest geschmerzt. Wahrscheinlich war es aber auch deutlich geschwollen. Sie hatten damals kein Geld, um zum Arzt zu gehen. Jetzt ist der Unterschenkel im unteren Drittel nach innen um 90\u00b0 abgeknickt. Es findet sich hier eine abnorme Beweglichkeit, d.h. es hat sich ein Scheingelenk entwickelt. Die Zehen werden bewegt, das Kind kann sich aber nicht aufstellen. Diesen Befund jetzt operativ zu korrigieren wird erheblich teurer werden, als eine simple Ruhigstellung mit einem Gips direkt nach dem Unfall. Es gibt also nicht nur Gr\u00fcnholzfrakturen im Kindesalter, die nahezu spontan heilen. Es kann auch gr\u00fcndlich schief gehen.<\/p>\n<p>Am Nachmittag kam eine Frau, Mitte 50 erstmals zu uns. Sie berichtete von einem Diabetes, sie sei vor 8 Jahren in der Diabetesambulanz gewesen, h\u00e4tte auch einmal Medikamente genommen. Der Blutzucker war aber v\u00f6llig normal. \u00dcberraschenderweise war sie dar\u00fcber gar nicht erfreut, sie h\u00e4tte offensichtlich lieber Diabetes gehabt. Ich wei\u00df nicht, was sie sich da erhofft hatte. Eine etwa gleichalte Frau klage wiederholt \u00fcber Schmerzen da und dort, sie wog 84kg bei einer K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe um 160cm, hatte in den letzten eineinhalb Jahren 14kg zugenommen. Da war ich fast w\u00fctend. \u00dcber unserer Eingangst\u00fcr steht MCPP, d.h. \u201eMedical Centre for the Poorest oft the Poor\u201c. Und da geh\u00f6rt sie nun nicht wirklich dazu. Sie muss in Zukunft wo anderes hingehen.<\/p>\n<h4>Endlich einen Spulwurm entdeckt<\/h4>\n<p>Heute hatten wir wenig Patienten. Wir haben am Montag die Zimmer und damit den \u00dcbersetzer getauscht. Liton ist ein alter Hase, manchmal etwas rau und bestimmt. Er hat manchmal schon die Medikamente aufgeschrieben, bevor ich was gesagt habe. Da ist es sinnvoll, doch auf das Rezeptformular vor dem Unterschreiben zu schauen, ob es auch aus \u00e4rztlicher Sicht seine Richtigkeit hat. Peter \u00fcbersetzt mir seit Montag. Er ist ein netter junger Mann, studiert soweit ich verstehe Betriebswirtschaft und macht diesen Job als vor\u00fcbergehende Aufgabe. Sein Englisch ist gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, ich h\u00f6re nicht immer prompt heraus, ob er gerade Bangla zum Patienten spricht, oder sich mit einem Bangla gef\u00e4rbten Englisch an mich wendet. Ihm f\u00e4llt es schwerer, dem Patienten eine klare, nicht gern geh\u00f6rte Ansage zu machen. Bei ihm muss ich nachschauen, ob auf dem Rezept auch alles steht, was ich verordnet habe.\u00a0 Am Abend war ich mit Gudrun noch im New Market, das ist ein gro\u00dfes Kaufhaus ganz in der N\u00e4he mit vielen, unterschiedlich einzelnen Gesch\u00e4ften. Es gab nichts, das mich besonders gereizt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>16.09.<br \/>\nHeute streiken die Fahrer der Baby-Taxis = CNG (Combined Natural Gas), da sie mit Erdgas betrieben sind. Sie wollen von der Regierung erreichen, dass sie auch auf dem Highway fahren d\u00fcrfen, der damit aber so voll wie jede Landstra\u00dfe w\u00fcrde. Wir bekommen daher nur eine Rikscha, um zur Au\u00dfenstelle CBC zu fahren. Der Fahrer nimmt aber einen ganz anderen Weg als uns bekannt und irgendwann wei\u00df er nicht mehr weiter. Ich w\u00fcsste nur von der New Bridge den Weg, wohin uns ein anderer Fahrer mitnimmt. Nach wenigen hundert Metern kommen wir schon am Arbeitsplatz CBC vorbei, so ganz falsch war der erste Fahrer dann doch nicht gewesen.<\/p>\n<div id=\"attachment_8742\" style=\"width: 390px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/WP_20150912_10_51_59_Pro.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8742\" class=\"wp-image-8742\" src=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/WP_20150912_10_51_59_Pro.jpg\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/WP_20150912_10_51_59_Pro.jpg 1024w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/WP_20150912_10_51_59_Pro-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/WP_20150912_10_51_59_Pro-768x433.jpg 768w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/WP_20150912_10_51_59_Pro-794x447.jpg 794w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/WP_20150912_10_51_59_Pro-365x206.jpg 365w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8742\" class=\"wp-caption-text\">Die jungen Patienten lassen die Behandlungen meist tapfer \u00fcber sich ergehen<\/p><\/div>\n<p>Ein 10 Jahre alter Junge ist nach Durchfall und mehrmaligem Erbrechen ganz schwach. Nachdem er die l\u00f6ffelweis gegebene Elektrolytl\u00f6sung auch erbricht, legen wir einen Tropf an. Er erbricht direkt wieder und diesmal ist ein Spulwurm im Erbrochenen. Dann hab ich das endlich auch einmal gesehen, jeder <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/de\/startseite\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">German Doctor<\/a> berichtet davon. Nachdem eine halbe Flasche eingelaufen ist, geht es ihm aber besser und er kann nach Hause.<\/p>\n<h4>Gott sei Dank bin ich Kinderarzt<\/h4>\n<p>Heute strapaziert eine bestimmte Sorte Patienten \u00fcberdurchschnittlich meine Nerven. Frauen im mittleren Alter, das ist hier 30-50 Jahre, kommen immer wieder und klagen mit trauriger Miene \u00fcber Schmerzen da und dort, Magendr\u00fccken, Sodbrennen, Kopfschmerzen. Und wenn ich mit der Untersuchung fertig bin, juckt es noch in der Achsel oder die Augen brennen. Einen krankhaften Befund kann ich so gut wie nie erheben, sie sind erst zufrieden, wenn sie ein Medikament bekommen. Manchmal kann ich hart bleiben, besonders wenn zus\u00e4tzlich ein \u00dcbergewicht vorliegt. Die Frauen sind ja ganz \u00fcberwiegend Hausfrau, ihnen fehlen auch viele technische Hilfsmittel wie bei uns zu Hause. Wenn sie mehr als drei <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/thema\/kinder\/\">Kinder<\/a> haben, ist das sicher auch keine leichte T\u00e4tigkeit. Da bin ich froh Kinderarzt zu sein. Dieses Jammern ist meinen kleinen Patienten v\u00f6llig fremd.<br \/>\n18.09.<br \/>\nBereits gestern war ich mit Liton unterwegs, um mir ein Busticket f\u00fcr die Fahrt nach Cox Basar zu besorgen. Am 25.09. ist Eid ul Adha, das Opferfest der Muslim. Es ist nach dem <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/de\/ramadan\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ramadan<\/a> das n\u00e4chst wichtige religi\u00f6se Fest. Die <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/thema\/ambulanz\/\">Ambulanz<\/a> ist vom 24. \u2013 27.09. geschlossen, sodass sich diese weitere Fahrt anbietet. Per Mail habe ich schon ein Zimmer am Strand reserviert, jetzt fehlte noch die Reise. An der \u201eNew Bridge\u201c kann man zwar recht g\u00fcnstig in jeden Bus einsteigen, der diese Richtung nimmt. Aber zum Eid-Fest sind alle auf den Beinen und da bin ich mit einem sicher auch klimatisierten Sitzplatz f\u00fcr drei Stunden Fahrt gern auf der sicheren Seite. Die Soudia-Linie hatte einen Platz frei. Liton hatte ein CNG angehalten, die einfache Fahrt zum Reiseb\u00fcro kostete 100 Taka.<\/p>\n<p>Heute war ich mit Komol unterwegs, um f\u00fcr meinen Abschied Lebensmittel zu kaufen. Ich werde eine Linzer Torte machen, die notwendigen Zutaten bekommt man nicht in unmittelbarer N\u00e4he. Wir waren in die gleiche Richtung noch etwas weiter unterwegs und mussten nur 70 Taka zahlen. Ich habe dann noch mein Telefon-Guthaben aufgef\u00fcllt. In den knappen drei Wochen habe ich keine 10\u20ac bei t\u00e4glichen Gespr\u00e4chen nach Deutschland verbraucht. Das ist f\u00fcr einen deutschen Telekom-Kunden schon erstaunlich wenig. Es hat jetzt l\u00e4nger nicht geregnet, die Stra\u00dfen sind staubtrocken. In meinem Untersuchungszimmer sind es konstante 30 Grad, in unserer Dachwohnung 35 Grad. Fu\u00dfboden und W\u00e4nde haben K\u00f6rpertemperatur. Der Wasserverbrauch steigt.<\/p>\n<h4>Besuch auf dem Fischmarkt<\/h4>\n<p>19.09.<\/p>\n<div id=\"attachment_8762\" style=\"width: 390px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3669.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8762\" class=\"wp-image-8762\" src=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3669.jpg\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"253\" srcset=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3669.jpg 1800w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3669-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3669-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3669-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3669-794x529.jpg 794w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF3669-365x243.jpg 365w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8762\" class=\"wp-caption-text\">Fisch in allen Variationen soweit das Auge reicht<\/p><\/div>\n<p>Als h\u00e4tte Petrus die letzten Zeilen gelesen, in der Nacht regnet es, es k\u00fchlt ab. Als es am Morgen immer noch regnet, m\u00f6chte ich eigentlich den mit Father Robert geplanten Gang zum Fischmarkt absagen. Er steht aber dennoch bereit, so nehmen wir den Schirm und sind in 15 Min. bereits dort. Es ist nicht ganz so verstopft wie vor einer Woche, aber wir k\u00f6nnen tiefer in das Gewimmel eindringen. Noch lebender Fisch wird aus Bottichen auf den Lastwagen geholt. Die kommen von Fischfarmen aus dem Umland. Pangasius gut 2kg schwer zappelt in den H\u00e4nden. 10kg schwere in Folie verschwei\u00dfte Fischpaket balancieren auf den K\u00f6pfen, ein fast genauso schwerer Barsch wird auf der Stra\u00dfe abgeschuppt, zerteilt, direkt verkauft. K\u00f6rbe voller Fische werden lauthals versteigert. Es ist der gr\u00f6\u00dfte und wichtigste Fischmarkt f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/projekte\/bangladesch\/\">Bangladesch<\/a>. Auf dem Gang zum Fluss nur 10min weiter kommen uns Tr\u00e4ger mit K\u00f6rben frischen Fischs auf dem Kopf entgegen. Hier sind die h\u00f6lzernen Fischerboot festgemacht und entladen nach einer Woche auf See ihre vollen B\u00e4uche. Lautstark wird auch hier um den richtigen Preis gefeilscht. Das macht nicht einen friedlichen Eindruck, das h\u00f6rt sich nach echtem Kampf um den besten Preis an.<\/p>\n<p>Als ich eigentlich denke, wieder zur\u00fcck zu gehen, \u00fcberrascht mich Father Robert mit seiner heutigen Tagesplanung. Er m\u00f6chte auf der anderen Flussseite D\u00f6rfer von christlichen Minorit\u00e4ten besuchen. Da es aufgeh\u00f6rt hat zu regnen, bin ich einverstanden und es geht mit einem \u201eKleinbus\u201c zur Br\u00fccke, mit einem Weiteren \u00fcber diese und auf der anderen Seite mit einem CNG ins l\u00e4ndliche Hinterland. Auch hier wechseln wir an einer nicht befahrbaren Br\u00fccke nochmals das Fahrzeug. Ein junger Mann steigt hinzu, Father Robert hat mit ihm ein Treffen vereinbart, konnte deshalb also nicht absagen. Ein Christ, verheiratet, arbeitet in einer Bekleidungsfabrik ganz in der N\u00e4he. Wir kommen endlich an eine kleine buddhistische Moschee, ein M\u00f6nch \u2013 Leiter dieser Einrichtung \u2013 empf\u00e4ngt uns. Er macht einen gebildeten Eindruck, spricht etwas Englisch. Bei einer Tasse sehr starken schwarzen Tees sitzen wir auf einem Teppich zusammen. 2012, kurz nachdem ich hier in Dhaka beim Einsatz war, wurde diese Moschee von radikalen Moslems verw\u00fcstet, ein Mensch sei an Verletzungsfolgen sp\u00e4ter gestorben. Wir haben damals in unseren Zeitungen davon gelesen, dass auch Hindutempel zerst\u00f6rt worden seien. Eine islamkritische, -belastende Aussage in Facebook sei der Ausl\u00f6ser gewesen. Eine kleine Gedenktafel im Au\u00dfenbereich der Moschee erinnerte daran, dass der deutsche Botschafter Conze hier zu Besuch war und Mittel zum Wiederaufbau mitgebracht hatte. Wir hatten ihn damals im Rahmen seiner Amtseinf\u00fchrung in Dhaka kennengelernt.<\/p>\n<p>Die D\u00f6rfer in dieser Region sind alle jeweils einer Religion angeh\u00f6rend. Zum buddhistischen Tempel geh\u00f6ren 90 Familien in unmittelbarer Nachbarschaft. Das n\u00e4chste Dorf ist rein Hindu, von den Bewohnern werden wir freundlich begr\u00fc\u00dft, von den Frauen ins Haus gebeten. Eine Patientin wird mir vorgestellt: 8 Jahre alt, schwerstbehindert. Den Unterlagen nach hat das Kind mit drei Jahren eine Enzephalitis\/Hirnentz\u00fcndung gehabt. Jetzt liegt ein Defektzustand mit einem Krampfleiden vor. Das Kind hat eine Magensonde und eine Luftr\u00f6hren-Kan\u00fcle. Die Mutter versorgt es damit allein zu Hause, kein Sozialdienst, keine h\u00e4usliche Intensivpflege oder \u00e4hnliches. Ich kann der <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/thema\/mutter\/\">Mutter<\/a> nur zum guten Pflege- und Ern\u00e4hrungszustand ihres Kindes gratulieren. Es wird erz\u00e4hlt, dass wir in einem muslimischen Dorf ganz ablehnend empfangen w\u00fcrden. Nicht nur ich als Europ\u00e4er, auch jeder andere Mann, der nicht zur Dorfgemeinschaft geh\u00f6rt. Die Frauen w\u00fcrden in ihre H\u00e4user fl\u00fcchten, um sich nicht zu verunreinigen, die Kinder w\u00fcrden einen beschimpfen. Im l\u00e4ndliche Bereich sei der Islam meist noch sehr konservativ, was wir auf der R\u00fcckfahrt von den Teeg\u00e4rten schon gesehen hatten. Dass in dem von uns vor zwei Wochen besuchten \u201eDorf\u201c in der N\u00e4he der Abwrackstelle der Schiffe ein gutes Neben- und Miteinander verschiedener Religionen m\u00f6glich ist, sei nur durch den vereinenden Wunsch nach Arbeit und Einkommen f\u00fcr die Familie m\u00f6glich. Zum Abschluss bittet der junge Mann uns noch zu sich nach Hause. Seine Frau ist in Dhaka, er bekocht uns mit einem Mittagessen. Auch hier ist \u00e4rztlicher Rat gefragt. Das Paar ist seit drei Jahren verheiratet, der Kinderwunsch bisher nicht erf\u00fcllt. Sie haben schon einige Untersuchungen deswegen hinter sich. Das ist ja nicht gerade ein Schwerpunkt meiner T\u00e4tigkeit, ich habe aber mit einigen Hinweisen und Aussagen Hoffnung machen k\u00f6nnen. Zur\u00fcck in mehreren Etappen bin ich gegen 14.00 Uhr zu Hause. Das war dann doch lang geworden.<\/p>\n<p>20.09.<br \/>\nDiesen Sonntag lasse ich ganz ruhig angehen, nachdem wir an den letzten beiden Wochenenden doch viel unterwegs waren. Lesen ist angesagt, in der Wohnung ist eine ganz gute Ansammlung von B\u00fcchern zusammen gekommen. Eine Fortbildung f\u00fcr unser Personal am Dienstag ist vorzubereiten und dann \u00fcbe ich jeden Tag mehrfach auf meinem PC. Das ist nicht der Computer, auf dem ich meinen Bericht tippe sondern ein Practise Chanter, das Spielrohr des Dudelsacks. Bei unserem Urlaub dieses Jahr in Schottland habe ich mir diesen schon lange bestehenden Wunsch erf\u00fcllt.<\/p>\n<h4>Ein gro\u00dfes Fest steht an<\/h4>\n<p>Jetzt ist Liton wieder mein \u00dcbersetzer bis n\u00e4chste Woche Katarina, die neue Kollegin kommt. Wir verstehen uns recht gut, haben bei Vielem \u00e4hnliche Meinung. Eine junge Mutter mit einem zwei Monate alten S\u00e4ugling berichtete von Schnupfen und weichem Stuhl. Bei der Untersuchung fand ich allerdings nichts. Dennoch wollte sie nicht ohne Medikament gehen. Die Patienten realisieren einfach nicht, dass sie freie \u00e4rztliche Behandlung haben, die von uns ausgegebenen Medikament, veranlassten Laboruntersuchungen oder auch eine R\u00f6ntgenuntersuchung nicht bezahlen m\u00fcssen. Da Liton ihnen die von mir ausgesprochene Nicht-Verordnung in ihrer Muttersprache mitteilt, sehen sie in ihm den Schuldigen und wollen sp\u00e4ter nicht mehr in sein Zimmer. Da wir <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/de\/startseite\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">German Doctors<\/a> auch nicht eine v\u00f6llig einheitliche Verordnungsweise haben, rutscht sicher immer wieder etwas durch und weckt Hoffnung auf mehr. Das kann alles recht schwierig und kr\u00e4fteraubend sein.<br \/>\n22.09.<\/p>\n<div id=\"attachment_8763\" style=\"width: 290px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF4138-e1565269210347.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8763\" class=\"wp-image-8763\" src=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF4138-e1565269210347.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF4138-e1565269210347.jpg 1200w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF4138-e1565269210347-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF4138-e1565269210347-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF4138-e1565269210347-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF4138-e1565269210347-794x1191.jpg 794w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCF4138-e1565269210347-365x548.jpg 365w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8763\" class=\"wp-caption-text\">Die Tiere stehen in den Stra\u00dfen und warten darauf, geopfert zu werden<\/p><\/div>\n<p>Ein Grund f\u00fcr das geringe Patientenaufkommen in den letzten Tagen ist das anstehende Eid ul Adha Fest. Traditionell treffen die Familien sich zu Hause, auch die Bewohner des <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/thema\/slum\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Slum<\/a> zieht es dorthin. In die Stadt sind schon seit Tagen die Opfertiere gebracht worden. Auf einem freien Platz direkt in unserer N\u00e4he, wo sonst von der Jugend Fu\u00dfball gespielt wird, hat ein Rindermarkt er\u00f6ffnet. Meist wird in Hoffnung auf einen g\u00fcnstigen Preis erst am letzten Tag vor Eid gekauft. Mit meinem Ausflug nach Cox gehe ich dem Geschehen etwas aus dem Weg. Gudrun uns ich haben heute noch eine Fortbildung gemacht; An\u00e4mie, Eisenverordnung, Lungenfunktion und Asthma. Danach hat sie ihren Abschied gegeben, Komol hat f\u00fcr die ganze Mannschaft gekocht, scharf gew\u00fcrzt. Er war in seinem Element.<\/p>\n<p>23.09.<br \/>\nEin gutes hat der seit wenigen Tagen recht ergiebige Regen: die Stra\u00dfen werden gereinigt, die Abwasserrinnen und Kan\u00e4le gesp\u00fclt. Wenn ich aber sehe, dass alles ungekl\u00e4rt in den gro\u00dfen Fluss und weiter ins Meer gelangt, kann ich das Grausen bekommen. Auch unser Weg heute Morgen zum <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/thema\/cbc\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Community based center<\/a> steht mehr als kn\u00f6cheltief unter Wasser. Gut dass ich die Flip Flops dabei habe und die Hosen hochkrempeln kann. Am Abend mache ich bereits meine Vorbereitung f\u00fcr den Abschied. Komol hat mir die weiteren Utensilien f\u00fcr die geplante Linzer Torte besorgt. Ich backe zwei, Komol schaut mir \u00fcber die Schulter, er m\u00f6chte immer etwas dazu lernen. Zum reifen kommen sie f\u00fcr zwei Wochen in den K\u00fchlschank.<br \/>\n24.09.<br \/>\nDer Morgen empf\u00e4ngt uns mit Dauerregen. Ich hoffe auf Besserung f\u00fcr Cox. Um dem CNG die richtige Adresse sagen zu k\u00f6nnen, habe ich noch einmal ge\u00fcbt: Garibullah Shah Mazar. Es hat sich beim Fahrer dann doch wieder anders angeh\u00f6rt. Aber Anna&#8217;s Mann stand mit seinem CNG im Hof und so war es ganz einfach. In gut 15 Min. waren wir an der Busstation. Der Bus kam mit Versp\u00e4tung und wir brauchten eine gute Stunde um aus der Stadt zu kommen. Ein gro\u00dfer Viehmarkt hielt uns auf, zahlreiche Rinder, die zum Opfern\/Schlachten nach Hause getrieben wurden. Wir kamen direkt an unserer Arbeitsstelle CBC vorbei. Hier w\u00fchlten vier <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/thema\/kinder\/\">Kinder<\/a> im knietiefen schlammigen Abfall nach Plastikresten. Da sitzt du im klimatisierten Bus und f\u00e4hrst f\u00fcr 10 Euro nach Cox. Schlimm! Die Fahrt zieht sich dann sehr in die L\u00e4nge. Die Stra\u00dfen sind \u00fcberwiegend in einem miserablen Zustand, unser Schlangenweg war vor seiner Instandsetzung zehnmal besser. Nur die tiefen Schlagl\u00f6cher werden mit zersto\u00dfenen Ziegelsteinen gef\u00fcllt, der n\u00e4chste Regen wird es wieder auswaschen. In einer gefederten Mercedes Benz Kutsche ist es dennoch bequemer als im CNG.<br \/>\nMan sieht, dass es in den letzten Tagen viel geregnet hat. Die vollen B\u00e4che und Fl\u00fcsse sind \u00fcber die Ufer getreten, setzen Wege und Reisfelder unter Wasser. Es ist Alles schlammig, braun. Man sieht leider aber auch den vielen Unrat und Abfall neben und auf der Stra\u00dfe. Das wird als gegeben hingenommen. Zwei Busse liegen unterwegs im Graben. Nach einem Personenschaden sieht es nicht aus. Sie waren wohl zu schnell mit schlechten Reifen unterwegs. Nach sieben Stunden bei einer halben Stunde Pause f\u00fcr 160 km kommen wir an. Es war deutlich l\u00e4nger als gedacht. Ein Anruf bei Cox Basar Surf Club und ich werde abgeholt, direkt am Strand mit Blick auf die Brandung, so sch\u00f6n hatte ich es mir nicht vorgestellt. Man macht mir was zum Essen, danach sitze ich im Dunkeln auf der Terrasse und das Meer rauscht.<\/p>\n<h4>British breakfast in Cox<\/h4>\n<p>25.09. Eid ul Adha<\/p>\n<div id=\"attachment_8764\" style=\"width: 390px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P7240108.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8764\" class=\"wp-image-8764\" src=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P7240108.jpg\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P7240108.jpg 1600w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P7240108-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P7240108-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P7240108-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P7240108-794x596.jpg 794w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P7240108-365x274.jpg 365w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8764\" class=\"wp-caption-text\">Beim baden l\u00e4sst man in Bangladesch die Kleidung meist an<\/p><\/div>\n<p>Die Nacht ist ruhig, auch nicht so warm wie in <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/de\/projekte-entdecken\/chittagong\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Chittagong<\/a>. Kurz nach 6.00 Uhr bin ich wach, zieh die Badehose an, noch eine Turnhose und ein Sweatshirt obendrauf. Auch die M\u00e4nner werden hier schr\u00e4g angeschaut, wenn sie zu viel Haut zeigen. Um die Zeit bin ich aber alleine am Strand und kann es richtig genie\u00dfen. Das Fr\u00fchst\u00fcck ist englisch, ein Engl\u00e4nder hat dieses kleine Hotel\u00a0 initiiert und betreut es noch. Dann m\u00f6chte ich eigentlich in die Innenstadt, aber nur ganz wenige L\u00e4den und Buden haben auf. Das hebe ich mir f\u00fcr morgen auf. Vor einigen H\u00e4usern werden noch die heute geopferten Tiere zerlegt. Das Ganze ist aber nicht so vordergr\u00fcndig wie vor drei Jahren in Dhaka. Der Tag hat schon sch\u00f6n begonnen, es bleibt trocken, sonnig und warm. Da bleib ich in der Mittagszeit lieber im Zimmer, aber um 14.00 Uhr muss ich mich dann doch bewegen und gehe auf einen langen Spaziergang am Strand entlang. Jetzt sind doch viele Einheimische oder Kurzurlauber unterwegs. Ihr Badevergn\u00fcgen ist aber ein ganz anderes. Die M\u00e4nner haben meist Jeans und Hemden an, nur einen sehe ich mit nacktem Oberk\u00f6rper. Sie gehen auch etwas ins Wasser. Die Frauen tragen ihrem Sari und machen sich h\u00f6chstens bis zu den Knien nass. Mit so viel Stoff kann man auch gar nicht schwimmen, das k\u00f6nnen offensichtlich nur die wenigsten Bangladeschi. Das Wasser ist durch die Brandung aufgew\u00fchlt, tr\u00fcbe. Der Sand ist braun bis schwarz, einige dunkle Steine sehe ich, die in der Brandung zerrieben werden. Dazu kommt aber auch Vieles, das von den Fl\u00fcssen ins Meer gelangt. Durch das Hochwasser lehmige Erde von den Feldern, aber aller andere Abfall von 160 Millionen Bangladeschi. \u00dcber den Ganges kommt sicher noch mehr von all den Indern an das Ufer. Wie lange die Bengalische See das noch mitmacht wird sich zeigen. Am Abend gehe ich aber noch einmal ins Wasser.<\/p>\n<p>26.09.<br \/>\nAuch heute verspricht es ein sch\u00f6ner Tag zu werden. Noch im morgendlichen Sch\u00f6nwetterdunst gehe ich ins Wasser, wirklich Schwimmen kann ich zwar auch nicht, aber sich ordentlich von den Wellen rumschupsen lassen macht auch erfrischend Spa\u00df. Als einzige\/r Langnase\/Europ\u00e4er weit und breit bin ich immer von Interesse. Nur mit Badehose zwischen all den Angezogenen komme ich mir auch komisch vor, als ob ich in Badehose durch unsere Bismarckstra\u00dfe gehe. Ich werde angesprochen, Name, woher? Gerne wollen sie ein Bild mit mir in der Mitte. Da ich ja auch gerne alles fotografiere, kann ich mich schlecht verweigern. Gegen 10.00 Uhr werde ich gefragt, ob ich mit zu einem kleinen Ausflug zu Familia eines Mitarbeiters m\u00f6chte. Der Engl\u00e4nder von dem ich oben berichtete, betreut diese Hotelanlage immer noch beratend. Er d\u00fcrfte in meinem Alter sein, hat sich an vielen Stellen des ehemaligen Empire beruflich bet\u00e4tigt. Jetzt verbringt er die H\u00e4lfte seiner Zeit in <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/projekte\/bangladesch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bangladesch<\/a>, sonst lebt er weit oben in Schottland. Ein junges kanadisch-japanisches Ehepaar ist mit seinem Kind mit dabei. Wir fahren mit einem gut 20 Jahre alten Land Rover eine halbe Stunde in das flache Flussdelta hinein. Hier leben \u00fcberwiegend Fischer, die mit ihren kleineren Booten lokale k\u00fcstennahe Fischerei betreiben. Nach einem kurzen Spaziergang auf dem Hochwasserdamm -mehr ein Erdwall mit wenig Schutz f\u00fcr die dahinter liegenden H\u00fctten- besuchen wir die Familie des Mitarbeiters. Offensichtlich eine gro\u00dfe Moslemfamilie, wir sehen nur die M\u00e4nner. Nur die Japanerin folgt ihrem Kind in den K\u00fcchenbereich hinter dem Vorhang. Sie ist wohl beeindruckt vom Kochen auf Lehm\u00f6fen in Bodenn\u00e4he. Wir bekommen ein Rinder Curry vom gestrigen Schlachten vorgesetzt, sehr lecker. Ich m\u00f6chte mich mit einem kleinen Obolus bedanken, aber Tim meint, mit ihm als Arbeitgeber des Sohnes sei das nicht recht angepasst. Zur\u00fcck beim Hotel gehe ich noch einmal an den Strand. Hier sind jetzt ganze Heerscharen am Flanieren. Wassersport findet nur mit ausgeblasenen LKW-Reifen statt. Die Surfbretter des Hotels habe ich nur einmal in Aktion gesehen. Leider haben sie noch keine Bretter zum Windsurfen, das h\u00e4tte ich sonst gerne ausprobiert. Erst als die Sonne kurz vor 6.00 Uhr untergeht, machen sich die Massen langsam auf den Heimweg. Man merkt schon, dass Bangladesch mit seinen 160 Millionen Bewohnern eines der am dichtesten besiedelten L\u00e4nder ist. Fast die H\u00e4lfte ist unter 25 Jahre alt. Zum Abendessen sitze ich mit Tim und Akil dem jungen Hotelmanager zusammen. Wir k\u00f6nnen uns gut \u00fcber Vieles unterhalten, eine Flasche Wein vom britischen Botschafter ist \u00fcberraschend dabei.<\/p>\n<p>27.09.<\/p>\n<div id=\"attachment_8765\" style=\"width: 390px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Slumweg2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8765\" class=\"wp-image-8765\" src=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Slumweg2.jpg\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Slumweg2.jpg 1600w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Slumweg2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Slumweg2-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Slumweg2-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Slumweg2-794x596.jpg 794w, https:\/\/www.german-doctors.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Slumweg2-365x274.jpg 365w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8765\" class=\"wp-caption-text\">Die Behausungen in Bangladesch sind oft nur notd\u00fcrftig errichtet<\/p><\/div>\n<p>Heute Morgen waren bereits erstaunlich viele Menschen am Strand. Der Strand ist f\u00fcr hiesige Verh\u00e4ltnisse recht sauber. In den fr\u00fchen Morgenstunden habe ich eine Gruppe von sicher 10 Frauen gesehen, die den M\u00fcll aufgesammelt haben. Erfreulich dass die Gemeinde das im Blick hat. Die See war ruhiger, ich kann direkt etwas hinaus schwimmen. Den Vormittag verbringe ich mit Lesen, ein kleines Mittagessen, dann werde ich zum Bus gebracht. Hier gibt es \u00fcberraschend Sicherheitsgurte, nur ist keiner vollst\u00e4ndig. Die Stra\u00dfe f\u00fchrt teilweise durch h\u00fcgeliges Land, der Boden erscheint sandig, altes Schwemmland wie in den Teeg\u00e4rten. In den \u00fcberwiegend flachen Stra\u00dfenabschnitten hat diese ein deutlich h\u00f6heres Niveau als die Felder. Sie ist wohl in Jahrhunderten gewachsen. In den Ortschaften stehen die H\u00e4user am Stra\u00dfenrand auf Stelzen im Wasser. Am Rande eines Dorfes sehe ich eine ganz primitive Behausung, Holzlatten mit Plastikfolien abgedeckt, keine 1.50 Meter hoch. In der Armut gibt es alle Abstufungen nach unten. Wir machen an derselben Rastst\u00e4tte wie bei der Hinfahrt eine kurze Pause. Diesmal stehen nicht nur Busse sondern auch eine gro\u00dfe Gruppe Motorr\u00e4der und einige Fahrr\u00e4der auf dem Parkplatz. Individual-Reisende gibt es also auch. Die R\u00fcckfahrt endet f\u00fcr mich nach f\u00fcnfeinhalb Stunden an der New Bridge. Mit einem CNG bin ich in 10 Min. zu Hause. Hier ist inzwischen Katarina eingetroffen, sie hat Gudrun abgel\u00f6st. Am Ende ihrer Facharztausbildung macht sie jetzt ihren ersten Einsatz f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.german-doctors.de\/de\/startseite\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">German Doctors<\/a>. Ich glaube das wird ganz gut mit uns beiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><em><strong>Teil 2 des Berichts von Einsatzarzt Dr. Frieder Metz aus Chittagong<\/strong><\/em><br \/>\nWieder einmal sind wir mit Father Robert unterwegs. Diesmal geht es nach Sitakund, das liegt gut 15 km n\u00f6rdlich von Chittagong. Ein Baby Taxi bringt uns zusammen mit einem weiteren Mitarbeiter und zwei S\u00e4cken W\u00e4sche \u00fcber den Highway dorthin. Zu Hause w\u00e4re sicher ein Mercedes Taxi vorgefahren und wir h\u00e4tten gesagt, dass sich diesmal das Taxi doch gelohnt hat. Hier geht das auf 2,5 Meter L\u00e4nge und vielleicht etwas mehr als einen Meter Breite, schon mit einigen Abstrichen am Komfort. 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